YAN JIANG – Wenn Luftpolsterfolie Luxus wird
In einem lichtdurchfluteten Atelier in Zürich raschelt es leise. Kein Gold, das geschmiedet wird, kein Diamant, der gefasst wird – sondern Luftpolsterfolie. Für die chinesische Designerin YAN JIANG ist dieses Verpackungsmaterial kein Abfall, sondern Inspiration. Sie verwandelt unscheinbare Alltagsobjekte in Schmuckstücke, die gleichzeitig Kunstwerk und tragbares Statement sind.
Ihre Kreationen liegen irgendwo zwischen Galerieobjekt und Lieblingsstück im Schmuckkästchen. Sie sind mutig, spielerisch, hochwertig verarbeitet – und haben doch immer einen kleinen Twist, der die Träger:innen schmunzeln lässt.

Von Guangzhou nach Zürich – eine Reise durch die Welt des Designs
YAN JIANG wuchs in Guangzhou auf und studierte zunächst Industriedesign an der South China University of Technology, später an der Tongji University in Shanghai. Schon früh zog es sie in die Welt des Luxus und der feinen Handwerkskunst: Sie perfektionierte ihre Fähigkeiten an der Creative Academy in Mailand, einer Talentschmiede der Richemont-Gruppe, und an der renommierten ÉCAL in Lausanne, wo sie ihren Master in Design for Luxury and Craftsmanship abschloss.
Ihre berufliche Laufbahn liest sich wie ein „Who’s Who“ der Luxusindustrie: Officine Panerai und Hermès gaben ihr einen tiefen Einblick in die Welt der Uhrmacherei, Philip Stein öffnete Türen zum internationalen Accessoire-Design, und bei Gübelin in Luzern entwarf sie mehrere Jahre lang High Jewellery und Uhren, die in Handarbeit und mit feinsten Materialien gefertigt wurden
Studio YAN JIANG – Zeitlos statt saisonal
2019 gründete sie in Zürich ihr eigenes Label: YAN JIANG STUDIO. Der Ansatz ist bewusst unabhängig von Modetrends – stattdessen entstehen non-seasonal Kollektionen, die lange getragen und gesammelt werden können.
Der kreative Prozess beginnt oft mit einem Experiment: eine neue Textur, ein Material, das zweckentfremdet wird. „Ich mag es, wenn ein Objekt etwas völlig Unerwartetes wird“, sagt sie. Die ikonische „Bubble Wrap“-Kollektion ist das perfekte Beispiel: Die Struktur der Luftpolsterfolie wird in edle Metalle übertragen oder mit Harz so veredelt, dass aus dem simplen Verpackungsmaterial ein elegantes Schmuckstück wird – wie die „Bubble Wrap Drops“-Ohrringe oder das „Wrap the Crack“-Collier.



Ein Blick, der den Alltag neu sieht
YAN JIANGs Arbeit ist stark von Konzeptkunst geprägt. Sie nennt Werke wie Maarten Baas’ „Real Time Clock“ oder Xu Bings „A Book from the Sky“ als Inspirationsquellen – Arbeiten, die spielerisch mit Wahrnehmung und Bedeutung umgehen.
Auch ihre eigenen Schmuckstücke haben oft einen leisen Humor und fordern dazu auf, innezuhalten: Ein Ohrring, der an einen geknoteten Faden erinnert. Ein Anhänger, dessen Struktur man nur aus dem Alltag kennt – und der jetzt in Gold oder Silber unsterblich gemacht wurde.
Luxus mit einer Prise Ironie
Die Jahre in der Luxusgüterbranche haben ihre Haltung zu Qualität geprägt: Jedes Detail muss stimmen – vom Schliff eines Steins bis zur Anmutung einer Verpackung. Gleichzeitig bringt sie den Mut mit, diese Welt zu hinterfragen und mit Leichtigkeit neu zu interpretieren.
„Ich liebe es, etwas zu schaffen, das in gewisser Weise völlig sinnlos ist, aber die Menschen zum Nachdenken anregt“, sagt sie. Luxus, der nicht nur über Wert und Material definiert wird, sondern über die Idee, die dahintersteckt – das ist ihr Markenzeichen.



Das Schönste: Gemeinsam erschaffen
Seit der Gründung ihres Labels hat YAN JIANG mit Modedesignern, Fotograf:innen, Ladenbesitzer:innen und Kunstschaffenden zusammengearbeitet. „Das Beste an dieser Reise sind die Menschen, die man trifft und mit denen man zusammen Dinge erschafft.“ Diese Offenheit spiegelt sich in der Vielfalt ihrer Projekte – vom Auftritt bei der Paris Fashion Week bis zu kleinen, sehr persönlichen Schmuckstücken für Privatkund:innen.
Blick nach vorn
Die nächsten Ziele sind klar: die Designsprache weiter schärfen, die Kollektionen strukturieren und den Nischenmarkt international erobern. Dabei bleibt sie ihrem Credo treu: Materialien spielen lassen, Geschichten erzählen, Unbeachtetes sichtbar machen.
Ob ein Stück Seil, ein alter Knopf oder eben Luftpolsterfolie – in YAN JIANGs Händen wird alles zu Schmuck, der überrascht, berührt und ein bisschen knistert.
Yan Jiang kannst du übrigens persönlich an der BLICKFANG Zürich kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen.
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