MAISON CORINNA HOUIDI: Wenn Couture auf Streetstyle trifft

Mut zur eigenen Handschrift, Lust am Ungewöhnlichen und eine klare Haltung gegen den Mainstream – das ist MAISON CORINNA HOUIDI. Zwischen Couture und Streetstyle entwirft die Stuttgarter Designerin Corinna Houidi Mode, die überrascht, berührt und lange im Gedächtnis bleibt.
Wir haben mit ihr über ihren ganz eigenen Weg gesprochen. Von einer Abschlussarbeit, die zur Label-Gründung führte, über besondere Materialien wie funkelndes Rochenleder bis hin zu dem Moment, wenn Stars ihre Entwürfe auf dem roten Teppich tragen. Ein Gespräch über kreative Freiheit, treue Kund:innen und die Frage, warum eine Kapuze manchmal der Beginn einer großen Geschichte ist.
Dein Label steht für eine gewisse Rebellion gegen den Mainstream – wie hat alles angefangen? Gab es einen Schlüsselmoment, in dem du beschlossen hast, dein eigenes Label zu gründen?
„Das war gar kein einzelner Moment, sondern ein ganz natürlicher Prozess. Ich hatte schon immer das Bedürfnis, etwas Eigenes zu schaffen. Ich wollte nicht für andere arbeiten, sondern meine eigenen Ideen umsetzen.
Ich arbeite auch ganz anders als viele andere Designer:innen. Ich fange nicht mit einem Moodboard an, sondern mit einem weißen Blatt Papier. Ideen kommen mir wie kleine Geistesblitze, oft mitten im Alltag. Ich skizziere sie sofort, und so füllt sich mit der Zeit mein Stapel an Entwürfen.
Ein roter Faden sind meine ausgearbeiteten Rückenteile mit Volants, Überhängen oder Falten. Das passiert nicht geplant, es ist einfach mein Stil. Mich reizt es, Formen selbst zu erfinden, ohne mich bewusst von anderen beeinflussen zu lassen. Normale Basics gibt es bei mir nicht, wenn ich ein neues Teil mache, dann hat es immer einen besonderen Twist.“
Dein erstes Signature-Piece war eine Kapuze. Wie kam es dazu?
„Die Idee entstand während meiner Abschlusskollektion zum Thema Darkness. Ich wollte eine Kapuze entwerfen, die nicht fest an der Jacke angenäht ist, sondern als eigenständiges Teil funktioniert. Das war für mich spannend, weil es ein kleines technisches Rätsel zu lösen gab.
Ich habe die Kapuze selbst ständig getragen, auch bei Breuninger, wo ich damals gearbeitet habe. Die Reaktionen waren so positiv, dass ich darüber meine ersten Kund:innen gewonnen habe. Später hat mir Frank von ‚Geschwisterliebe‘ angeboten, die Kapuzen bei ihm zu verkaufen. Damit fing alles an und viele dieser ersten Käufer:innen sind heute noch meine Stammkund:innen.
Eigentlich wollte ich nach Paris in die Haute Couture. Zu Dior oder Saint Laurent. Aber mein damaliger Partner sagte: ‚Mach doch erst mal dein eigenes Ding mit den Kapuzen, verdiene Geld und geh später.‘ Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“


Eigentlich wolltest du nach Paris – jetzt bist du in Stuttgart geblieben. Warum ist das für dich der richtige Ort?
„Das hat sich einfach so ergeben. Meine Familie lebt hier, meine Geschäftspartnerin auch. Wir haben das Label von hier aus aufgebaut, und ich habe ein starkes Netzwerk an Unterstützer:innen und Stammkund:innen.
Ich habe einen kleinen Showroom in der Kriegsbergstraße, wo ich Kund:innen zu Anproben oder Meetings treffe. Klar, Stuttgart ist keine klassische Modemetropole wie Mailand oder Paris, aber hier habe ich meine Base und Mode lässt sich heute von überall aus in die Welt tragen.“
Wie vertreibst du deine Kollektionen aktuell?
„Wir haben mehrere Standbeine: unseren eigenen Onlineshop, eine Partnerboutique in Paris, den ‚Abseits‘-Store in Stuttgart und einen japanischen Luxus-Onlineshop. Außerdem arbeiten wir mit einem Showroom in Hollywood, wo Stylist:innen Teile für Stars auswählen.
Parallel bauen wir den Direktvertrieb über Messen wie die BLICKFANG aus und organisieren Events mit anderen Designer:innen. Beides ist wichtig: International präsent sein, aber auch den direkten Kontakt zu den Kund:innen halten.“
Wie ist es, wenn Stars deine Teile tragen?
„Das ist jedes Mal ein kleiner Adrenalinkick. Meine Marketingagentur schickt mir dann die Info: ‚XY hat dein Teil getragen.‘ Oft weiß ich in dem Moment gar nicht, wer das ist, weil ich so sehr im Arbeitsmodus bin.
Manchmal erfahre ich es auch von Freund:innen, die mir schreiben: ‚Hast du gesehen, wer dein Outfit trägt?‘ Das Faszinierende ist: Diese Menschen haben alles gesehen und unzählige Optionen im Schrank und sie entscheiden sich bewusst für mein Design. Das ist für mich das größte Kompliment.
Ich finde es auch spannend, meine Stücke in Editorials komplett anders gestylt zu sehen, als ich es selbst tun würde.“
Materialien mit Charakter – was fasziniert dich daran?
„Ich mag extreme Kontraste, etwas Weiches mit etwas Strukturiertem, Glattes mit Rauem. Rochenleder ist ein gutes Beispiel: Ich habe es zufällig entdeckt, als ich online über eine Geldbörse gestolpert bin. Die Oberfläche sah aus wie ein funkelnder Sternenhimmel das kannst du synthetisch einfach nicht nachahmen.
Ich arbeite grundsätzlich mit echten Materialien, weil sie langlebig sind, sich besser anfühlen und schöner altern. Für ein Couture-Mantelstück habe ich einmal echten Pelz verwendet, den ich aus einem bayerischen Familienbetrieb bezogen habe. Ich habe die Gerberei besucht, die Familie kennengelernt, gesehen, wie sie arbeiten. Das war mir wichtig. Für mich sind solche Stücke wie Kunstobjekte, nicht unser Hauptgeschäft."


Wer trägt MAISON CORINNA HOUIDI?
„Das kann man gar nicht in eine Schublade stecken. Meine Kund:innen sind so unterschiedlich: Vom 16-jährigen Streetstyle-Fan, der meine FANTÔME-Kapuzen liebt, bis zur 73-jährigen Dame, die eines meiner Kleider trägt.
Viele sind selbst kreativ oder selbständig, und erstaunlich viele Männer gehören zu meinen Stammkunden. Was sie alle eint, ist eine große Herzlichkeit, Begeisterungsfähigkeit und die Freude an Details.
Ich bekomme oft Fotos zugeschickt, von Kund:innen im Urlaub, auf einer Vernissage oder einfach beim Stadtbummel und immer tragen sie ein Teil von mir. Das ist genau das, was ich will: Mode, die nicht nur im Kleiderschrank hängt, sondern die Menschen begleitet und ihnen ein gutes Gefühl gibt.“
Hast du ein persönliches Lieblingsteil aus deiner Kollektion?
„Ich liebe alle meine Stücke, weil ich nur Dinge entwerfe, die mich zu 100 % überzeugen. Aber es gibt Teile, zu denen ich besonders oft greife: der Kamir Hoodie , meine Kapuzen, die Bomberjacke, die Lederleggings und die Ellex-Bluse.
In der neuen Kollektion, die wir im Herbst bei der BLICKFANG zeigen, sind 50 neue Teile. Alle davon sind alltagstauglich, aber natürlich mit unserem Twist: Westen, Röcke, Bodys, Korsagen, Tops. Selbst einfache Stücke haben bei uns ein besonderes Detail.“
Du warst im Frühjahr zum ersten Mal bei der BLICKFANG in Basel. Was nimmst du daraus mit?
„Ganz klar: weitermachen! Es war meine erste Teilnahme bei der BLICKFANG, und ich war überwältigt von der positiven Resonanz.
Viele Kund:innen sind stehen geblieben, haben mich angesprochen und wollten sofort mehr über das Label wissen. Auch die Nachbar-Aussteller:innen waren super offen wir haben uns gegenseitig besucht, inspiriert und unterstützt.
Eine Kundin aus Basel hat bei mir gekauft, wir haben uns toll unterhalten. Vor kurzem hat sie mich angerufen, wir haben fast eine Stunde telefoniert. Jetzt plant sie, im Herbst nach Zürich zu kommen, um mich dort wiederzusehen. Solche Momente sind unbezahlbar.“

Auf der BLICKFANG in München, Wien und Zürich kannst du Corinna persönlich kennenlernen und ihre besonderen Kleidungsstücke anprobieren und direkt mitnehmen!
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