Valentino Scussel über Farbe, Fantasie und die Freude am Selbermachen

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Future Forward Gewinner Valentino Scussel

Future Forward Gewinner Valentino Scussel

Als wir das Atelier von Valentino Scussel in Zürich betreten, merken wir direkt: Hier wird nicht nach Schema F gearbeitet. Statt strengem Minimalismus oder nordischer Zurückhaltung treffen farbige Flächen auf verspielte Formen, Metall auf Holz, Fantasie auf Handwerk. Seit 2017 entwirft der Designer Möbel und Objekte – vom Kerzenhalter „Romantico“ bis zur dimmbaren Tischlampe „Juicy“. Mit viel Leidenschaft, Mut zum Experiment und einem klaren Sinn für Humor hat er sich Schritt für Schritt ein eigenes Label aufgebaut. 2020 bezog er seine Werkstatt, heute entstehen hier Stücke, die ebenso funktional wie charakterstark sind. Wir haben mit ihm über seine Anfänge, den Gewinn des Future Forward Awards der BLICKFANG und seine Liebe zu Materialien gesprochen.

Valentino, stell dich bitte kurz vor.

Ich bin Valentino Scussel vom Label Valentino Scussel Design. Ich mache verschiedene Möbelstücke wie Tische, Lampen oder Betten. Das erste Mal etwas, das ich auch verkaufen konnte, habe ich 2017 gemacht. Aber so richtig mit meiner Werkstatt, die ich jetzt habe, arbeite ich seit 2020.

Wie hat dein Weg ins Design begonnen?

Ich hatte nicht viel Geld, wollte aber schöne Möbel haben. Durch meine Mechanikerlehre konnte ich schweißen und mit Metall arbeiten – also habe ich angefangen, Möbel für mich selbst herzustellen. Das kam im Freundeskreis gut an, und so habe ich Schritt für Schritt weitergemacht. Vieles habe ich mir selbst beigebracht: durch Lesen, Ausprobieren, Fehler machen und wieder von vorne beginnen.

Wie hat sich dein Label von den Anfängen bis heute entwickelt?

Von Beginn an war mein Design farbig und verspielt – ganz bewusst weg vom typisch nordischen Minimalismus. Bauhaus hat mich beeinflusst, aber ich wollte etwas Eigenes schaffen: Möbel, die gute Laune machen. Was sich stark verändert hat, ist die Professionalität. Ich habe immer weiter gelernt, baue eigentlich alles selbst und bin dadurch sehr nah am gesamten Prozess.

Was war dein erstes Produkt, das du wirklich verkaufen konntest?

Das war „Romantico“, ein Kerzenhalter, den man durch den Arretierhebel an jede Kerze anpassen kann. Die Idee war, nicht nur einen Kerzenständer zu machen, sondern ein Objekt, das fast wie eine Figur wirkt – je nachdem, wie man den Halter dreht, sieht es aus wie ein Mensch beim Tanzen. Bis ich die richtigen Proportionen gefunden habe, hat es eine Weile gedauert. Ich zeichne nicht viel, sondern probiere lieber direkt am Objekt. Das ist zwar teurer, macht aber mehr Spaß.

An welchem Stück sitzen wir hier gerade?

Am großen Tisch-Kamin. Den gibt es bisher nur einmal. Er funktioniert durch das Gewicht der Platte und der massiven Stahlbeine ohne Fußplatte. Die Beine laufen durch die Platte und haben innen eingeschweißte Böden – perfekt, um Dinge wie Blumen, Früchte oder kleine Objekte hineinzustellen. Die Tischplatte ist aus Holz, die Beine aus Metall, alles lackiert. Grundsätzlich ist vieles möglich: andere Farben, andere Oberflächen, matt oder hochglanz. Für ein Restaurant an der Zürcher Langstraße habe ich die Tische in Kleinserie produziert.

Wie bist du an diesen Auftrag, der bisher dein größter war, herangegangen?

Das war ein großer Auftrag: Für das Restaurant „Roter Delfin“ am Brupbacherplatz habe ich rund 20 Tische entworfen natürlich in Rot. Dafür habe ich die große Kamin-Version als kleinere Variante umgesetzt. In dieser Variante braucht der Tisch für die Stabilität auch eine Fußplatte. Das Design wurde also an den Zweck angepasst. Da ich diese Auftragsmenge in der kurzen Zeit in meiner Werkstatt nicht allein schaffen konnte, habe ich mit Nils Wittmer, einem befreundeten Schreiner aus Zürich, zusammengearbeitet. Gemeinsam haben wir das in zwei Monaten realisiert – ein intensives, aber sehr lehrreiches Projekt an das ich mit Freude zurückdenke.

Du hast bei der BLICKFANG den Future Forward Award gewonnen. Was bedeutet dir das?

Sehr viel. Ich freue mich, meine Produkte dort einem großen Publikum physisch zu zeigen. Einen eigenen Ladenraum in Zürich könnte ich mir aktuell leider noch nicht leisten – die BLICKFANG macht es möglich, meine Möbel live zu präsentieren. Das ist wichtig, weil Menschen die Stücke anfassen und ausprobieren wollen. Außerdem bekomme ich dort Feedback: nicht nur von Kund:innen, sondern auch von anderen Labels und Designer:innen. Für mich ist das eine riesige Chance – gerade, weil Messen sonst sehr teuer sind. Mit dem Award habe ich jetzt die Möglichkeit, in einem tollen Rahmen auszustellen, und ich bin extrem gespannt auf die Reaktionen.

Welches Produkt stellst du auf der BLICKFANG besonders gerne vor?

Die Leuchte Juicy. Eigentlich war sie als Wandlampe gedacht, daraus ist aber eine dimmbare Tischlampe geworden – mit einem verstellbaren Acrylglas-Schirm. Es gibt sie monochrom oder in mehreren Farben, und wenn man mehrere besitzt, kann man die Schirme untereinander austauschen. So entstehen immer wieder neue Variationen.

Welches Material begeistert dich aktuell besonders?

Metall ist und bleibt mein Hauptmaterial. Mich fasziniert, wie vielseitig es ist und wie man es verändern kann – durch verschiedene Verfahren, Oberflächen oder Farben. Holz interessiert mich aber zunehmend, da möchte ich meine Fähigkeiten noch weiter ausbauen.

Was liebst du am meisten an deiner Arbeit – und was ist die größte Herausforderung?

Am meisten liebe ich die Momente, in denen ich an etwas Neuem arbeite. Oft liege ich nachts wach, weil mich eine Idee nicht loslässt – aber das ist ein schöner Prozess. Und natürlich das Selbermachen mit den Händen: das gibt mir Ruhe. Aber das Beste an meiner Arbeit ist, wenn es irgendwie funktioniert hat. Wenn das finale Produkt dasteht und einen Mehrwert für den Raum generiert, ist das einfach der schönste Moment für mich.

Am schwierigsten an meiner Arbeit ist das Schleifen von Metall (lacht). Gerade arbeite ich an einem Tisch, und ich schleife seit über zwölf Stunden an einem Rohr. Das kann schon zermürbend sein.

Wie stellst du dir die Zukunft deines Labels vor?


Ich möchte weiter wachsen und größere Stückzahlen produzieren können – aber unbedingt lokal bleiben. Mir ist wichtig, dass das Handwerk und die Nähe zur Produktion erhalten bleiben.

Zu Besuch bei Valentino!

Wir haben Valentino in seinem Zürcher Atelier besucht. Das gesamte Interview und Einblicke hinter die Kulissen seiner Arbeit siehst du im Video:

Valentino kannst du an der BLICKFANG in Zürich kennenlernen, noch mehr über seine Geschichte und seine Produkte erfahren und diese natürlich direkt ausprobieren und kaufen. Hier geht es zu den den Tickets!

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