Zwischen Verspieltheit und Präzision: Ein Gespräch mit Luis Gimeno

Future Forward Gewinner Luis Gimeno
Der in Barcelona geborene Designer Luis Gimeno kreiert Möbel- und Leuchten, die eine feine Balance zwischen Verspieltheit und Funktionalität halten. Seine Entwürfe, geprägt von klaren Linien und poetischen Details, wurzeln tief in seiner Neugier für Materialien und seinem großen Respekt vor handwerklicher Qualität. Nach Stationen bei verschiedenen Möbel- und Interior-Marken sowie Praktika in Barcelona und Amsterdam gründete er sein eigenes Studio. Auf der BLICKFANG München erhielt Gimeno den Future Forward Award – eine Auszeichnung, die aufstrebende Talente der Designszene hervorhebt. Wir haben uns mit ihm über seinen kreativen Werdegang, seine Faszination für Materialien und seine Vision für die Zukunft unterhalten.

Luis, kannst du uns von deinem Weg in die Möbel- und Leuchtenbranche erzählen? Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass dies deine Berufung ist?
Es war eher ein organischer Prozess. Während meines Studiums in Barcelona habe ich gemerkt, dass mich besonders die Leuchten faszinierten – ihre Wirkung auf Räume, die Atmosphäre, die sie schaffen. Durch meine Praktika in Barcelona und später in Amsterdam bin ich tiefer in die Welt von Möbel- und Lichtdesign eingestiegen. Mit der Zeit wurde klar: Das ist mein Feld, hier fühle ich mich zuhause – das ist die Sprache, die ich als Designer sprechen möchte.

Wie würdest du deinen heutigen Designstil beschreiben – und wie hat er sich seit deinen ersten Projekten entwickelt?
Anfangs ging es vor allem um Spaß. Ich experimentierte mit kräftigen Farben, ungewöhnlichen Formen und verrückten Ideen. Mit der Zeit, insbesondere durch meine Arbeit bei einer großen, Kundenorientierten Marke, habe ich die Bedeutung von Funktionalität und Produktionsprozessen verstanden. Ein Design muss nicht nur schön aussehen, es muss funktionieren und in einem Zuhause bestehen können. Heute bewegt sich mein Stil zwischen diesen beiden Welten – verspielt, mit kleinen Überraschungen, aber immer praktisch und umsetzbar.
Was inspiriert dich am meisten?
Ich bin stark beeinflusst von der Designsprache der 60er und 70er Jahre. Es war eine Zeit, in der Objekte mutiger wurden – nicht nur funktional, sondern auch ausdrucksstark. Dieser Mut inspiriert mich. Gleichzeitig finde ich Inspiration in kleinen Details: wie zwei Materialien aufeinandertreffen, eine Kurve, ein Schatten. Ich mag es, wenn meine Arbeit sowohl die großen Gesten einer Designära als auch die Intimität der Details widerspiegelt.
Auf der BLICKFANG München hast du den Future Forward Award gewonnen. Wie hat sich das angefühlt – und worauf freust du dich besonders an der Messe?
Es war ein großartiges Gefühl. Für mich ist der Award nicht nur Anerkennung, sondern auch Ermutigung. Er zeigt, dass mein Ansatz geschätzt wird, und gibt mir Energie, weiterzumachen. Auf die BLICKFANG freue ich mich, weil sie sich von Messen wie der SaloneSatellite in Mailand unterscheidet. Dort geht es vor allem um Sichtbarkeit in der Branche – hier in München treffe ich direkt auf Besucher:innen, die meine Stücke erleben, Fragen stellen und Feedback geben. Dieser Austausch ist für mich unglaublich wertvoll.


Du arbeitest oft mit natürlichen Materialien wie Holz, Glas oder Sand. Wie wählst du das richtige Material für ein Projekt aus?
Bei mir beginnt der Prozess meist mit der Form. Ich skizziere und modelliere die Form zuerst und frage mich erst danach: Welches Material bringt diese Idee am besten zum Leben? So lasse ich mich nicht von Anfang an durch das Material einschränken. Sobald die Form stimmt, wähle ich das Material, das ästhetisch, funktional und nachhaltig Sinn macht.
Gibt es neue Materialien oder Techniken, mit denen du aktuell experimentierst?
Ja! Gerade arbeite ich mit Mikrozement, einem großartigen Material, weil ich direkt im Studio experimentieren kann – ohne Brennofen oder schwere Maschinen. Gleichzeitig entwickle ich ein Projekt mit 3D-gedruckten Leuchten aus recycelten oder bio-basierten Materialien. Für mich ist die Kombination aus traditionellem Handwerk und neuen Technologien besonders spannend – hier sehe ich enormes Potenzial für die Zukunft.
Wenn Menschen deine Möbel oder Leuchten in ihren Räumen haben – welches Gefühl sollen sie dabei empfinden?
Komfort. Leichtigkeit. Gutes Design ist nicht nur Aussehen oder Funktionalität, es ist das Gefühl, das es vermittelt. Ich möchte, dass meine Stücke natürlich wirken, als hätten sie schon immer dazugehört – aber mit einem kleinen Twist, der Freude macht.
Welche Rolle spielen Handwerk und Nachhaltigkeit in deiner Arbeit?
Eine sehr große. Nachhaltigkeit beginnt für mich bei der Produktionsweise: Ich produziere nur auf Bestellung, keine Überproduktion. Ich arbeite mit kleinen Werkstätten in Spanien, was den Prozess transparent macht und die Transportwege kurz hält. Handwerk ist ebenso wichtig – diese Werkstätten tragen Wissen und Traditionen, die ich sehr schätze. Jedes Stück trägt ihr Können in sich, und ich möchte, dass das im finalen Design sichtbar wird.
Deine Stücke wirken oft verspielt, bleiben aber funktional. Wie findest du das Gleichgewicht zwischen Kreativität und Praktikabilität?
Meistens starte ich mit etwas Einfachem, manchmal sogar ein wenig langweilig. Dann füge ich Details hinzu – eine Kurve hier, eine Verbindung dort – etwas, das das Stück unerwartet macht, aber trotzdem funktioniert. Design soll Freude bereiten, aber auch im Alltag funktionieren. Dieses Gleichgewicht ist für mich der magische Punkt.
Welches deiner Werke war am herausforderndsten – und welches liegt dir am meisten am Herzen?
Am herausforderndsten war definitiv eine Leuchte, bei der ich Glas und Keramik kombinierte. Es hat sechs Monate gedauert, bis beide Materialien so zusammenpassten, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Lieblingsstück ist jedoch der Knot Stool. Er ist einfach, nicht überkompliziert, vermittelt mir aber ein Gefühl von Ruhe und Vertrautheit. Manchmal sind die ehrlichsten Designs die, die einem am längsten bleiben.

Und in die Zukunft blickend – was sind deine Träume und Ziele für Luis Gimeno Design?
Mein Traum ist es, ein kleines Studio mit drei oder vier Mitarbeitenden zu haben, in dem wir sowohl eigene Kollektionen als auch Projekte für andere Marken entwerfen können. Design ist für mich ein Dialog – Ideen, die zwischen Menschen hin- und herfließen. Ich möchte einen Ort schaffen, an dem dieser Dialog lebt, an dem wir neue Ideen erkunden und hoffentlich ein wenig Poesie in den Alltag bringen können.
Luis kannst du an der BLICKFANG in München kennenlernen, noch mehr über seine Geschichte und seine Produkte erfahren und diese natürlich direkt ausprobieren und kaufen. Hier geht es zu den den Tickets!