Studierendenwettbewerb Wien 2025
Von Prototypen zu Publikumslieblingen – Der Wettbewerb für Studierende
Die BLICKFANG Wien ist nicht nur ein Marktplatz für gutes Design, sondern auch ein Ort, an dem kreative Visionen Form annehmen. Der Studierendenwettbewerb bietet jungen Designer:innen die Möglichkeit, ihre Ideen erstmals einem großen Publikum zu präsentieren. Prototypen werden zu echten Hinguckern, Materialien neu gedacht und Alltagsgegenstände überraschend transformiert.
Wer hier vorbeischaut, entdeckt nicht nur spannende Konzepte, sondern auch die Leidenschaft und den Mut einer neuen Designgeneration.
Tina Grüll: „Bodystone“ – Wärme, die in Form bleibt
Tina Grüll von der Universität für angewandte Kunst Wien hat mit „Bodystone“ einen ungewöhnlichen Alltagsbegleiter entwickelt: einen wärmenden Stein für den Körper. Gefertigt im Schlickergussverfahren, besteht der „Bodystone“ aus einer doppelten Hülle mit Luftkammer, die mit heißem Wasser befüllt werden kann. Beim Auflegen auf den Körper gibt er Wärme gezielt an einzelne Stellen ab, da sich die Form durch Druck leicht verformt. Das Ergebnis ist ein schlichtes, aber wirkungsvolles Produkt – funktional, handlich und mit dem Potenzial, zu einem echten Wohlfühlobjekt zu werden.



Luca Schreiber & Michel Schneider: „BROKEN=GOOD“ – Schönheit im Unperfekten
Das Design-Duo Luca Schreiber & Michel Schneider von der Bauhaus Universität Weimar bricht mit Konventionen: Ihr Porzellan-Teeservice „BROKEN=GOOD“ macht sichtbar, was in der Keramikindustrie sonst aussortiert wird. Statt kleine Makel und Abweichungen als Fehler zu deklarieren, nutzen sie diese bewusst als gestalterisches Element. Ob unregelmäßige Ränder, sichtbare Entlüftungskanäle oder leichte Abdrücke aus der Produktion – alles wird Teil der Ästhetik. Produziert in Kooperation mit der Kober Steinwiesen GmbH, zeigt „BROKEN=GOOD“, wie sich Ressourcenverschwendung reduzieren lässt. Das Projekt fordert dazu auf, Produktions- und Konsumstandards neu zu denken und erinnert daran: Perfektion ist nicht immer nachhaltig.



Borbála Kiszely: „Luminé“ – Eleganz mit Licht und Material
Die Grazer Architekturstudentin Borbála Kiszely hat mit „Luminé“ einen Frisiertisch entworfen, der Funktionalität und Poesie verbindet. Gefertigt aus amerikanischem Nussbaumholz, furnierten Spanplatten und satiniertem Acrylglas, begeistert er durch klare Linien und ein besonderes Licht-Detail: Ein dreischichtiges Acrylpaneel mit gelasertem Muster – inspiriert vom Louvre Abu Dhabi – wird von einem LED-Paneel hinterleuchtet und verleiht dem Möbelstück einen sanften Glanz.
Besonders clever: Der Spiegel lässt sich vollständig einklappen, sodass die Oberfläche auch ohne Nutzung als funktionales Möbel besticht. CNC-Fräse, Lasergravur und traditionelle Handwerkskunst vereinen sich hier zu einem Möbel, das Nutzen und künstlerischen Ausdruck harmonisch verschmilzt.



Magnus Maria Wobser: „Doremon Bench“ – Gemeinschaft auf dem Campus
Magnus Maria Wobser von der HTW Berlin entwickelte im Rahmen eines Austauschsemesters in Indien die „Doremon Bench“ – eine Bank, die Minimalismus, Komfort und Pragmatismus vereint. Inspiriert vom indischen Prinzip „Jugaad“, wurde ein großes Abflussrohr zum tragenden, multifunktionalen Element: Sitzfläche, Lehne und Konstruktion in einem. Ein Edelstahlrahmen sorgt für Stabilität, auch unter extremen Wetterbedingungen.
Die Bank bietet Platz für bis zu acht Personen und ist inzwischen ein beliebter Treffpunkt am Sportplatz des Campus. In weiterentwickelten Entwürfen setzt Wobser auf einfache Materialien wie Holz und Seile, damit die Bank weltweit kostengünstig nachgebaut werden kann.



Sophia Ludwig & Oskar Poetsch: „GALAKTISCH“ – Beistelltisch mit Orbit-Optik
Die Berliner Designstudierenden Sophia Ludwig & Oskar Poetsch haben mit ihrem Projekt „Galaktisch“ einen Beistelltisch entworfen, der die Faszination von Planetenbahnen in Möbel überträgt. Die Tischplatte aus Formvlies – einem Material aus recycelten PET-Fasern – zeigt durch Ein- und Auskerbungen die Anmutung von Umlaufbahnen. Ein Gestell aus gebürstetem Rundstahl greift in eine umlaufende Sicke, sodass die Platte scheinbar schwebt. „Galaktisch“ vereint experimentelle Ästhetik, Funktionalität und Nachhaltigkeit. Der Tisch ist nicht nur praktische Ablage, sondern auch ein Designobjekt, das durch Materialinnovation und Präzision begeistert.



Moritz Glatte: Flexibles Design für moderne Räume – der „Block“
Moritz Glatte studiert an der Universität der Künste Berlin und präsentiert mit dem „Block“ eine platzsparende, flexible Lösung für moderne Arbeitswelten. Der Tisch lässt sich im Handumdrehen von einem vollwertigen Arbeitsplatz zu einem kompakten Würfel transformieren, der sowohl praktisch als auch ästhetisch überzeugt. Durch den Klappmechanismus wird der Schreibtisch auf ein Minimum komprimiert, während der Schubkasten Platz für Arbeitsmaterialien und persönliche Dinge bietet.
Der „Block“ ist perfekt für Coworking Spaces oder Tiny Houses, in denen jede Fläche sinnvoll genutzt werden muss. In Handarbeit gefertigt und in verschiedenen Farben und Ausführungen erhältlich, stellt dieser Tisch eine praktische, platzsparende Lösung dar, die Funktion und Design auf einzigartige Weise vereint.
Moritz Glatte ist einer der Designpreisgewinner der BLICKFANG Stuttgart.



Amelie Steinbauer: „eat&keep“ – Geschirr für das Leben im Kleinen
Wohnraum ist knapp, Minimalismus im Trend – genau hier setzt Amelie Steinbauer von der Hochschule Mainz und der New Design University St. Pölten an. Mit „eat&keep“ hat sie ein Geschirr entwickelt, das funktional, platzsparend und zugleich ästhetisch ist. Die Schüsseln und Teller aus gefärbtem Porzellan lassen sich stapeln und ineinander verschachteln. Teller dienen gleichzeitig als Deckel für Schüsseln, wodurch ein modulares, vielseitiges System entsteht.
„eat&keep“ ist ideal für Tiny Living, urbane Haushalte und Menschen, die bewusst weniger besitzen möchten – ohne auf Design zu verzichten.



Julia Baisch: „Hängrum“ – Natur für urbane Räume
Die Kommunikationsdesignerin Julia Baisch (TH Würzburg-Schweinfurt) bringt mit „Hängrum“ die Natur zurück in unsere Wohnungen. Die multifunktionale Wandinstallation dient hochgeklappt als Garderobe und Stauraum, heruntergeklappt verwandelt sie sich in eine Hängematte – oder sogar in ein Gästebett. Biomorphe Formen, fraktale Muster und natürliche Materialien machen „Hängrum“ zu einem flexiblen Rückzugsort, der urbane Enge mit Naturverbundenheit ausbalanciert.



Yoomin Sun: "Wirewirewire" – Gestrickte Eleganz aus Edelstahl
Die Nachwuchsdesignerin Yoomin Sun, ursprünglich aus Seoul, studiert im 7. Semester an der Universität für angewandte Kunst in Wien. In ihrer Arbeit verbindet sie Ästhetik mit intelligenter Konstruktion und erforscht die Struktur von Objekten durch das Zusammenspiel von Material und Form.
Ihre Serie Wirewirewire revolutioniert den Umgang mit Metall, indem sie Edelstahl in einer gestrickten Struktur verarbeitet – ganz ohne Schweißen. Anders als herkömmliche Drahtgeflechte sind die einzelnen Schlaufen mit einem einfachen Einhak-System verbunden, ähnlich wie gestrickte Textilien. Das Ergebnis: eine außergewöhnliche Materialspannung, die Stabilität und Flexibilität vereint. Während das Geflecht auf einer Seite widerstandsfähig bleibt, kann es auf der anderen gefaltet werden.
Das innovative Design macht Wirewirewire nicht nur leicht, sondern auch nachhaltig. Der Edelstahl ist vollständig recycelbar, der Materialeinsatz minimal und die Konstruktion ermöglicht eine einfache Reparatur. Ein einzelner Draht ist schwach – doch in dieser einzigartigen Verbindung entsteht eine widerstandsfähige, filigrane Struktur, die neue Maßstäbe im Möbeldesign setzt.



Junge Kreativität entdecken
Die Sonderfläche des Studierendenwettbewerbs auf der BLICKFANG München 2025 ist ein Muss für alle, die frische Ideen entdecken wollen. Hier treffen mutige Konzepte auf funktionale Lösungen – und die Werke zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig und zukunftsweisend das Denken der nächsten Designer:innen-Generation ist.