BAIUSHKI – Ein Wiegenlied aus Silber und Gold

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Lea Good Gründerin und Designerin von Baiushki

Schmuck, der wie von der Natur geformt scheint, ein Showroom, der selbst zum Kunstwerk wird, und eine Designerin, die lieber mit den Händen als mit dem Computer arbeitet: Lea Good hat mit BAIUSHKI eine Welt geschaffen, die leise, poetisch und zugleich kraftvoll ist. Im Interview spricht die Zürcherin, die heute in Basel lebt, über die melancholische Melodie, die ihrem Label den Namen gab, über Nächte, in denen sie Wände mit Lehm verputzte, und über die Freiheit, wenn Schmuckstücke entstehen, die es nur ein einziges Mal gibt.

Der Name BAIUSHKI hat einen ganz besonderen Klang. Was bedeutet er und wie bist du darauf gekommen?

 „BAIUSHKI kommt von einem russisch-slawischen Schlaflied, Bajuschki baju. Meine Mutter hat es mir als Kind oft vorgesungen. Es ist eine sehr melancholische, aber wunderschöne Melodie, die mich schon mein ganzes Leben begleitet. Ich habe zwar keine russischen Wurzeln, aber dieses Lied ist wie ein Stück Geborgenheit für mich. Es gibt keine direkte Übersetzung, es ist mehr ein beruhigender Laut, ein Wiegen in den Schlaf. Genau dieses Gefühl wollte ich auch in meinem Schmuck spürbar machen.“

Du hast deinen Showroom in Basel selbst gestaltet. Warum war dir das wichtig?

„Ich wollte, dass unser Schmuck die perfekte Bühne bekommt. Deshalb haben wir den gesamten Innenausbau selbst umgesetzt. Natürlich mit der Hilfe von Freund:innen, aber vor allem mit unseren eigenen Händen. Ich habe zum Beispiel jede Wand eigenhändig mit Lehm verputzt, oft bis spät in die Nacht. Für uns war klar: Der Raum selbst soll wie ein grosses Display wirken und dieselbe Designsprache sprechen wie der Schmuck. Alles andere hätte sich falsch angefühlt.“

Welche Gestaltungselemente hast du ganz bewusst eingebracht?

 „Für mich war wichtig, organische Formen aufzugreifen – die Tische, der Spiegel, selbst und alle Möbel haben weiche, freie Linien. Bei den Oberflächen haben wir bewusst natürliche Materialien gewählt, die im Kontrast zu den kühlen, metallischen Schmuckstücken stehen. Wir haben mit einer speziellen Spachtelmasse gearbeitet, die aus natürlichen Sedimenten besteht, geschliffen, geölt und gewachst. Jeder Zentimeter wurde mit unseren Händen bearbeitet. Dieses Handgemachte, das Spüren von Material, sollte sich direkt auf den Schmuck übertragen.“

Bevor du zum Schmuck gekommen bist, hast du Floristin gelernt und Modedesign studiert. Wie hat dich das geprägt?

 „Die Floristik begleitet mich bis heute. Ich liebe Strukturen, das Anordnen von Formen und Texturen, die ich in der Natur finde. Das spiegelt sich stark in meinen Schmuckstücken wider. Auch das Modedesign hat mich geprägt: Da ging es immer darum, wie etwas am menschlichen Körper wirkt. Mit einer Freundin habe ich damals das Modelabel Fink & Star gegründet das jetzt auch regelmäßig bei der BLICKFANG mit dabei ist. Aber irgendwann habe ich gespürt: Mich zieht es stärker zum freien Gestalten, ich will mit meinen Händen arbeiten. Schmuck war meine Antwort. Ich habe mit einem Abendkurs bei einer Goldschmiedin angefangen, sass dann jeden Abend am Küchentisch, habe gesägt, gehämmert, gefeilt und konnte nicht mehr aufhören.“

Ursprünglich kommst du aus Zürich, jetzt lebst und arbeitest du in Basel. Wie hat dich dieser Wechsel beeinflusst?

„Ich bin wegen der Liebe nach Basel gezogen. Diese Liebe ist zwar gegangen aber ich bin rotzdem geblieben. Unser Showroom ist hier, und ich mag die entspannte Atmosphäre und die spannende Kulturszene der Stadt. Aber Zürich ist für mich nach wie vor wichtig. Dort habe ich BAIUSHKI gegründet, in einem Zimmer in meiner damaligen Wohnung. Eines Tages möchte ich unbedingt auch dort wieder einen Laden eröffnen.“

®Sophia_Lavater

Wie würdest du deine Designsprache beschreiben?

 „Meine Designsprache ist sehr intuitiv. Ich gestalte frei mit meinen Händen, nicht am Computer. Meine Stücke sind schlicht und ruhig, aber immer mit einem kleinen spannenden Element. Ich arbeite so lange, bis sich ein Schmuckstück für mich richtig anfühlt – dann weiss ich, dass es fertig ist.“

Kannst du uns deinen kreativen Prozess näher beschreiben?

„Ich arbeite viel mit Wachs. Oft beginne ich mit einem Stück, das ich schmelze, drehe, schneide vieles entsteht durch Zufall. Manchmal mache ich hundert Versuche, bis sich eine Form ergibt, die mich überzeugt. Danach lasse ich das Modell in Metall giessen und prüfe, wie es sich trägt. Es ist ein sehr experimenteller, spielerischer Prozess. Ich liebe es, wenn sich plötzlich etwas ergibt, was ich so gar nicht geplant hatte.“

Mit welchen Materialien arbeitest du am liebsten – und welche möchtest du noch ausprobieren?

„Wir arbeiten hauptsächlich mit Silber und vergoldetem Silber. Letztes Jahr haben wir unsere erste Echtgold-Kollektion gelauncht. Gerade entdecke ich die Arbeit mit Steinen, vor allem Saphiren. Ich habe eine tolle Lieferantin in Deutschland gefunden, die mit nachhaltig gewonnenen, fair gehandelten Steinen arbeitet. Ich freue mich sehr darauf, die Steine organisch in meine Designs einzubetten.“

In deinem Atelier kann man dir bei der Arbeit über die Schulter schauen. Wie erlebst du diesen Kontakt zu Kund:innen?

„Unser Atelier ist offen, man kann zuschauen. Gerade bei Eheringen ist das etwas Besonderes: Paare sind oft von Anfang an dabei, sehen die Modelle, können den Prozess miterleben. Ich habe keine Standardkollektion, jeder Ring ist ein Unikat. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Menschen genau diesen persönlichen Bezug zu ihrem Schmuckstück haben. Auch das Chaos auf meinem Tisch gehört dazu“

®Sophia_Lavater

Auf deiner Website gibt es die Serie RARE, bei der jedes Stück ein Unikat ist. Was bedeutet dir dieses Projekt?

„RARE ist für mich absolute Freiheit. Ich muss nicht überlegen, ob sich ein Design hundertfach verkaufen lässt, sondern kann einfach drauflos gestalten. Ich kann komplexe Formen ausprobieren, die sich sonst nicht vervielfältigen liessen. Für unsere Kund:innen ist es genauso besonders – die Stücke sind fast immer sofort ausverkauft. Ich liebe dieses Projekt, weil es Raum für Experimente gibt.“

®Sophia_Lavater

Wo verkaufst du deine Schmuckstücke hauptsächlich?

„Am liebsten direkt hier im Studio, weil die Menschen die Stücke erleben können. Aber wir verkaufen auch online und über tolle Partnerläden. Insgesamt ist es eine schöne Mischung – aber der Showroom ist unser Herzstück.“

Gibt es eine Begegnung mit Kund:innen, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

 „Es gibt so viele! Besonders schön war das Erlebnis mit einer Kundin, die sich einen Ehering mit Steinen gewünscht hat, obwohl das für mich Neuland war. Ich habe ihr offen gesagt, dass ich noch am Experimentieren bin. Sie meinte nur: ‚Genau deshalb will ich, dass du ihn machst.‘ Am Ende war sie überglücklich und solche Momente sind sehr spannend und erfüllend.“

Hast du selbst ein Lieblingsstück aus deinen Kollektionen?

 „Das wechselt ständig. Den Yerera Ring aus meiner dritten Kollektion habe ich mir in Echtgold angefertigt – den trage ich fast immer seit vielen Jahren. Aber gerade ist ein Prototyp aus der kommenden Kollektion mein Favorit. Es hängt sehr von meiner Stimmung ab, was ich auswähle.“

Was wünschst du dir für die Zukunft von BAIUSHKI?

„Mein größter Traum ist ein Laden in Zürich. Dort hat alles begonnen, und ich möchte die Geschichte weiterführen am liebsten in einem Showroom, den wir wieder von Grund auf selbst gestalten. Ausserdem möchte ich meine Arbeit mit Steinen weiterentwickeln und neue Designs schaffen, die Menschen lange begleiten. Und ich hoffe, dass BAIUSHKI immer ein Ort bleibt, an dem Handarbeit, Intuition und persönliche Begegnungen im Mittelpunkt stehen.“

Lea kannst du an der BLICKFANG in Zürich kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt anprobieren und kaufen. Hier geht es zu den den Tickets!

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