BABERETI: Zwischen Umzugskisten und Designideen

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BABERETI von Future Forward Gewinnerin Insa Decker

Aus der eigenen Lebenserfahrung heraus entstehen oft die besten Ideen – so auch bei Insa Decker. Mehrere Umzüge und die wiederkehrende Suche nach fehlenden Möbelstücken brachten sie auf den Gedanken, ein Systemmöbel zu entwickeln, das flexibel, nachhaltig und langlebig zugleich ist. Mit BABERETI hat sie ein modulares Möbel entworfen, das Bank, Bett, Regal und Tisch in einem ist – und damit den Anspruch erfüllt, Menschen ein „Möbel fürs Leben“ an die Seite zu stellen.

Bei der BLICKFANG Wien wurde sie dafür mit dem Future Forward Award ausgezeichnet – eine besondere Anerkennung für ihre klare Vision von Design, das sich an den Bedürfnissen einer mobilen Gesellschaft orientiert. Im Interview erzählt sie, wie die Idee zu BABERETI entstanden ist, welche Rolle ihre Schreiner:innenausbildung spielt und warum für sie Nachhaltigkeit und Mobilität untrennbar mit Design verbunden sind.

Dein Möbel ist aus deinen eigenen Umzugserfahrungen heraus entstanden. Kannst du uns von dem Moment erzählen, als die Idee zu BABERETI geboren wurde?

Die Idee ist während einem meiner Umzüge entstanden. Mir ist dabei aufgefallen, dass viele WG-Zimmer zwar teilweise möbliert waren, aber jedes Mal ein anderes Möbelstück fehlte. So musste ich mir immer wieder etwas Neues organisieren. Aus dieser wiederkehrenden Situation ist nach und nach die Idee zu BABERETI entstanden.

Vier Module, die sich in Bank, Bett, Regal oder Tisch verwandeln – wie bist du auf diese Lösung gekommen?

Am Anfang stand die Idee, ein System zu entwickeln, das mit wenigen Teilen die wichtigsten Grundmöbel abdeckt: Bank, Bett, Regal und Tisch. Daraus entstand der Anspruch, alle Module so zu gestalten, dass sie identisch produziert werden können und dadurch flexibel einsetzbar sind. Mit nur vier gleichen Modulen lassen sich alle Varianten bauen.

Welche Rolle spielt für dich die Verbindung von Handwerk und Design – gerade, weil du eine Schreiner:innenlehre gemacht hast?

Für mich ergänzen sich Handwerk und Design einfach gut. Durch meine Schreinerinnenausbildung habe ich ein Gefühl dafür bekommen, wie Materialien funktionieren und wie Möbel aufgebaut sind. Das hilft mir beim Entwerfen, weil ich schon früh darüber nachdenke, wie etwas praktisch umsetzbar ist. Es ist aber keineswegs nötig, Handwerkerin zu sein, um Möbel zu gestalten. Für mich war es einfach eine wertvolle Erfahrung, die mir ermöglicht hat, meine Ideen direkter auszuprobieren und ein Gespür für Qualität und Langlebigkeit zu entwickeln.

Nachhaltigkeit ist ein Kern deines Konzepts. Was bedeutet für dich „ein Möbel fürs Leben“?

Ein Möbel fürs Leben bedeutet für mich, dass es ein Stück gibt, das dich durch jede Lebensphase begleitet. Es soll leicht zu transportieren sein, wenig Platz einnehmen und dadurch immer das erste Möbelstück sein, das man beim Umzug mitnimmt. Gleichzeitig ist es so zurückhaltend gestaltet, dass es in ganz unterschiedliche Räume passt. Im Bezug auf BABERETI ist es so flexibel, dass es je nach Bedarf mal als Bett, mal als Regal, mal als Tisch oder Bank genutzt werden kann. Diese Vielseitigkeit macht es zu einem Möbel, das man nicht austauschen muss, wenn sich das Leben verändert.

Du setzt auf lokale Hölzer und modulare Bauweise. Wie wichtig ist dir die Nähe zu Materialien und Produktion?

Für mich macht es sowohl ökologisch als auch ökonomisch Sinn, Möbel dort zu produzieren, wo sie genutzt werden, und dabei auf die Hölzer zurückzugreifen, die vor Ort wachsen. Eine Idee des Projekts war es deshalb, ein nachhaltiges Distributionskonzept zu entwickeln. Über eine Webseite könnten Produzentinnen und Produzenten gelistet sein, die an unterschiedlichen Standorten arbeiten. Bei einer Bestellung würde automatisch die nächstgelegene Werkstatt vorgeschlagen, die dann mit den jeweils verfügbaren Hölzern arbeitet. Das schafft kurze Wege und eine enge Verbindung zu den Materialien. Ich sehe diese Lösung als Möglichkeit, nicht als festen Plan. Es gibt verschiedene Wege, ein Produkt nachhaltig zu produzieren und in Umlauf zu bringen.

Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung – gab es zum Beispiel einen Prototyp, der nicht so funktioniert hat wie geplant?

Natürlich, es gab mehrere Prototypen, die anfangs nicht so stabil waren, wie ich es mir gewünscht habe. Mein Anspruch war, ein Möbelstück zu entwickeln, das ganz ohne Werkzeug auf- und abgebaut werden kann. Diese Idee hat am Anfang für Stabilitätsprobleme gesorgt, die ich Schritt für Schritt lösen musste. Der Weg von der ersten Skizze bis zum funktionierenden Möbel war also ziemlich lang. Aber ich habe gelernt, dass es immer irgendeine Lösung gibt. Die Kunst ist, die einfachste zu finden, damit das Projekt nicht nur praktisch, sondern auch wirtschaftlich bleibt.

Deine Möbel sind für eine mobile Gesellschaft gedacht. Wie stellst du dir vor, dass BABERETI den Alltag von Menschen verändert?

Ich glaube nicht, dass BABERETI den Alltag grundsätzlich verändern sollte. Es soll vielmehr eine Möglichkeit bieten, ein Möbelstück zu besitzen, das sich unkompliziert mitnehmen lässt, das bei jedem Umzug wieder aufgebaut werden kann, ohne Schaden zu nehmen, und das sich immer wieder den veränderten Bedürfnissen anpasst. Heute vielleicht als Bett, morgen als Regal oder Bank. Ich finde die Vorstellung schön, dass ein Möbelstück einen ein Leben lang begleiten kann, vielleicht vom Kinderzimmer bis in die Seniorenresidenz. Für mich hat das etwas von Heimat, die man immer dabei hat.

Was war bisher das schönste Feedback, das du von jemandem bekommen hast, der dein Möbel benutzt?

BABERETI wurde ein Mal für ein Kinderheim in Deutschland gebaut. Dort habe ich es gemeinsam mit den Betreuungspersonen getestet und aufgebaut. Das Möbelstück wurde für den Gemeinschaftsraum gekauft, in dem es als Regal oder Bank genutzt wird. Falls jedoch für einen gewissen Zeitraum ein zusätzliches Schlafzimmer benötigt würde, könnte BABERETI zu einem Bett umfunktioniert werden. Das Kinderheim hat sich deshalb sehr über die flexiblen Einsatzmöglichkeiten gefreut.

Wenn du in die Zukunft schaust – wie könnte sich BABERETI weiterentwickeln? Denkst du über weitere Module oder ganz neue Möbel nach?

Ich sehe viele spannende Erweiterungsmöglichkeiten. Denkbar wären zum Beispiel Kisten in der passenden Größe, die sich ins Regal oder unter das Bett schieben lassen, oder ein Hakensystem, mit dem sich Module platzsparend an der Wand aufbewahren lassen. Auch Transportlösungen wie eine Tasche oder Box für Menschen, die besonders oft umziehen, könnte ich mir gut vorstellen. Momentan möchte ich mich aber darauf konzentrieren, BABERETI in seiner jetzigen Form auf den Markt zu bringen und die richtigen Wege dafür zu finden.

Wie fühlt es sich an, den Future Forward Award bei der Blickfang Wien gewonnen zu haben – und worauf freust du dich bei der Messe am meisten?

Ich war überrascht und habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut. Am meisten gespannt bin ich darauf bei der Blickfang Design Messe, als renommierte Repräsentationsmöglichkeit vieler Design Labels, viele interessante Menschen kennenzulernen, die designorientiert und lösungsorientiert arbeiten. Zusätzlich ist es etwas ganz besonderes für für mich im MAK ausstellen zu dürfen, welches zu meinen Lieblings Museen in Wien zählt.

Insa kannst du an der BLICKFANG in Wien kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und BABERETI erfahren und das Möbelstück natürlich direkt ausprobieren und kaufen. Hier geht es zu den den Tickets!

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