Ferrari Zöchling – Von der Wiener Kunstszene auf den Laufsteg

© Lisa Edi
In den charmanten Gassen des siebten Wiener Gemeindebezirks inmitten des lebendigen Stadtbildes hat sich Romana Zöchling einen Raum geschaffen, der zugleich Atelier und Showroom ist. Hier, im Herzen ihres Labels FERRARI ZÖCHLING, entstehen Kollektionen, die sich mühelos von flüchtigen Trends abheben. Ihre Mode ist ein klares Bekenntnis zu zeitloser Eleganz, ehrlichem Handwerk und einer tiefen Verbundenheit mit der Wiener Kunstszene. Wir haben mit Romana Zöchling über die Anfänge ihres Labels, die Magie der Stoffe und die spannungsvollen Dialoge zwischen Mode und Kunst gesprochen.

Romana Zöchling ©Lisa Edi
Dein Label gibt es seit 2013. Kannst du uns erzählen, wie alles angefangen hat oder wie es zur Gründung von FERRARI ZÖCHLING kam?
Ich habe das Label ziemlich bald nach meinem Studienabschluss gegründet, ungefähr ein Jahr später. Es war für mich immer klar, dass ich mich selbstständig machen möchte. In meiner Abschlussarbeit habe ich im Marketing einen kleinen Business-Plan entworfen, der dann die Grundlage für alles Weitere bildete. Danach habe ich Monika Ferrari kennengelernt. Wir haben unsere Nachnamen zum Labelnamen gemacht und FERRARI ZÖCHLING 2013 gegründet. Zuerst war die Modelinie eigentlich nur eine Nebenlinie zu einem Ausstellungs- und Eventraum, den wir gleichzeitig eröffneten. Schnell haben wir dann aber gemerkt, dass das Interesse an unserer Mode weitaus größer war, als wir erwartet hatten. Monika stieg 2015 aus, und seitdem führe ich das Label alleine. Im selben Jahr habe ich dann auch den eigenen Shop in der Kirchengasse eröffnet, der jetzt bald sein zehnjähriges Jubiläum feiert.

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Das heißt, du hattest eigentlich ursprünglich gar nicht den Wunsch, die Modemarke so richtig auszugründen, sondern das war mehr so ein Begleitprojekt?
Der Wunsch war schon da, aber der Mut fehlte anfangs, es direkt als alleiniges Standbein zu sehen. Es ist zwar keine global führende Modemarke geworden, aber ich lebe nun seit über zehn Jahren davon – das hätte ich in der Gründungsphase nicht für möglich gehalten Mein Traum war einfach, selbstständig zu sein und einen coolen Job zu haben. Mit FERRARI ZÖCHLING habe ich beides gefunden.
Woran würdest du sagen, merkst du, dass Material zu dir oder zu deinem Label passt?
Der Griff ist auf jeden Fall das Wichtigste oder noch wichtiger: wie sich der Stoff auf der Haut anfühlt. Meistens geht beides Hand in Hand: Wenn sich ein Material gut anfühlt, fällt es auch schön und sieht gut aus. Aber es ist immer ein Zusammenspiel aus Haptik, Print, Farbe, Struktur und Materialität. Das ist das, was es ausmacht.
Was ist dir bei der Verarbeitung und beim Schnitt besonders wichtig? Gibt es Details, die man in mehreren deiner Kleidungsstücke wiederfindet?
Ich glaube, die Silhouetten sind immer sehr klar. Es ist eine Balance zwischen Oversized und Fitted, ein Zusammenspiel aus beidem. Die Linien bleiben eher klar, weil viel über Farbe und Print passiert. Gerade bei großflächigen Prints funktioniert das am besten, wenn der Schnitt ruhig bleibt. Mir ist einfach wichtig, dass sich die Kleidung gut trägt und beim Anziehen ein gutes, kleidendes Gefühl gibt.
Du arbeitest für deine Kollektionen mit verschiedenen Künstler:innen aus Wien zusammen. Wann und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Kunstszene?
Diese Kollaborationen ziehen sich wie ein roter Faden von der ersten Kollektion an durch. Am Anfang waren es oft analoge Fotografien, aber auch Collagen und Arbeiten von bildenden Künstler:innen. Wir hatten sogar eine Kollektion in Zusammenarbeit mit Wissenschaftler:innen von der Sankt Anna Kinderkrebsforschung, bei der wir Mikroskopaufnahmen von Zellen als Print verwendet haben. Ganz ursprünglich waren es Fotografien von Severin Koller, mit dem ich schon im Studium zusammengearbeitet habe. Es war eine gegenseitige Wertschätzung der Arbeit und die Neugier, zu sehen, was passiert, wenn wir unsere Arbeiten zusammenführen. Damals haben wir uns schnell für den Digitaldruck auf Seide entschieden, was sich bis heute durchzieht und die Grundlage für jede Kollektion legt. Das Aussuchen der Arbeiten ist immer ein Ping-Pong-Spiel, ein Dialog mit der jeweiligen Person. So entsteht die Farbwelt und oft auch die Hintergrundgeschichte der Kollektion.

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Ist es dann so, dass du auf Künstler:innen zugehst oder kommen die auf dich zu? Wie läuft so etwas dann konkret ab?
Das ist tatsächlich wahnsinnig unterschiedlich. Mit der Künstlerin Bettina Willnauer, mit der ich schon öfter zusammengearbeitet habe, entstehen fast immer neue Arbeiten. Ich gebe ihr eine Idee, zum Beispiel, dass ich gerne mit Bleistiftzeichnungen arbeiten würde, um zu sehen, was passiert, wenn wir den Strich großflächig auf Stoff drucken. Letztes Jahr habe ich mit Sophia Süssmilch gearbeitet, die bisher die bekannteste Künstlerin war. Sie habe ich einfach angefragt, weil ich ein Fan ihrer Arbeit bin. Bei der Kollektion, an der ich gerade arbeite, kam wiederum eine Künstlerin auf mich zu. Es kommt immer ein bisschen darauf an.
Hast du ein persönliches Lieblingsteil aus einer deiner bisherigen Kollektionen?
Die Kollektion von 2018 mit Katharina Höglinger ist schon sehr besonders. Ich habe eine bunte Jacke mit einem ihrer Prints zu einer Hochzeit getragen, das hat natürlich eine ganz andere Wichtigkeit. Und die Kollektion mit Marianne Vlaschits war der erste größere Künstler:innenname. Ich habe sie damals auf der Tanzfläche auf einer Party angesprochen, ob sie mit mir eine Kollektion machen will, und sie hat sofort Ja gesagt. Das ist fast zehn Jahre her, aber das war ein wirklich schöner Moment. Ich kann mich nicht auf ein einzelnes Stück festlegen, aber die Katharina Höglinger Kollektion ist vielleicht meine Lieblingskollektion.
Wer trägt denn FERRARI ZÖCHLING? Wie würdest du deine typische Kundin beschreiben?
Ich habe ganz unterschiedliche Kundinnen, aber was sie alle verbindet, ist die Wertschätzung für Mode abseits von Massenware und Fast Fashion. Sie schätzen den Service, dass wir Längen anpassen, Änderungen vornehmen oder Reparaturen durchführen, um eine gewisse Langlebigkeit zu garantieren. Ich glaube, es ist toll für kunstaffine Kundinnen, die keine Angst vor Farben, Mustern und etwas ausgefalleneren Silhouetten haben. Gleichzeitig haben wir aber auch sehr elegante und zeitlose Stücke, wie unsere Wintermäntel, die ein breiteres Publikum ansprechen.
Du machst zeitlose Teile. Was bedeutet denn für dich zeitlos oder zeitgemäß abseits von Trends?
Ich habe Schnitte, die ich zwar immer wieder leicht verändere, aber die Silhouette ist quasi vor acht oder zwölf Jahren entstanden und begleitet mich schon so lange. Ich liebe klassische Linien, wie das Hemd, den Rock oder den Trenchcoat. Das sind Kleidungsstücke, die für sich schon für etwas Klassisches und Zeitloses stehen. Sie bekommen dann einen Twist, weil sie vielleicht oversized sind, das Material besonders ist oder ich mit der Schnittlinie spiele. Aber sie entstehen immer aus dieser klassischen Grundidee.
An welchen Ideen arbeitest du gerade? Gibt es neue Teile, auf die wir uns freuen dürfen?
Die BLICKFANG ist im November, und wir werden dort mit wunderschönen Wintermänteln vertreten sein. Ich glaube, ich habe noch nie so schöne Wollstoffe bekommen wie für diesen Winter. Ein Großteil unserer Stoffe stammt aus Deadstock-Materialien, also Überproduktionen. Wir müssen quasi auf Schatzsuche gehen, und oft gibt es von einem Stoff nur genug Material für ein oder drei Mäntel. Das finde ich aber spannend und eine Form von Luxus. Die Kundin weiß, dass sie ein handgemachtes Stück kauft, das nur in Kleinstserien produziert wurde.
Wie läuft es denn mit deiner Produktion ab?
Wir sind mindestens zu zweit im Atelier, und ich habe noch einen Schneider, der ebenfalls in Wien arbeitet. Es wird also nicht alles bei uns im Atelier gemacht, aber alles in Wien produziert. Das ist wichtig, weil man dadurch sehr flexibel ist und es uns ermöglicht, in kleinen Auflagen zu produzieren – manchmal auch nur ein einziges Stück.

© Lisa Edi
Romana kannst du übrigens persönlich in ihrem Ladengeschäft in Wien oder an der BLICKFANG Wien kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen. Hier geht es direkt zu den den Tickets!
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