atelier M12 – Zwischen Uhrenboutique und Wohnzimmer

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Michaël Martins, Gründer von atelier M12
Michaël Martins, Gründer von atelier M12

Michaël Martins kommt aus dem Schreinerhandwerk – und denkt es neu. Mit seinem Label atelier M12 verbindet er traditionelle Schweizer Handwerksqualität mit zeitgemäßem Design, nachhaltiger Produktion und einer klaren Haltung: weniger, dafür besser. Im Gespräch erzählt er von seinem Weg vom Möbelschreiner zum Labelgründer, von der Arbeit für internationale Luxusmarken, von Slow Design, lokaler Produktion und davon, warum Individualität für ihn kein Trend, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.

„Viele wissen gar nicht genau, was Schreiner:innen alles machen“, sagt Martins. „Wir arbeiten sehr viel im Innenausbau, entwickeln komplexe Lösungen und sind oft nah an architektonischen Prozessen.“

Von der Werkbank zum eigenen Designstudio

Michaël Martins begann seinen beruflichen Weg ganz klassisch: mit einer Ausbildung als Möbelschreiner in der Schweiz. Früh interessierte ihn dabei nicht nur das Handwerk selbst, sondern auch das größere Ganze – die Entwicklung, das Zusammenspiel von Raum, Material und Funktion. Nach ersten Berufsjahren folgte ein Studium im Bereich Holztechnik – Fachrichtung Möbel und Innenausbau an einer Fachhochschule. Um seine Sprachkenntnisse zu vertiefen, verbrachte er zudem sechs Monate in München, bevor er als Projektleiter in einer Schreinerei in Bern arbeitete.

Eine prägende Station war seine Arbeit für die internationale Uhrenbranche. Für renommierte Marken wie Patek Philippe oder Rolex realisierte er weltweit Boutique- und Museumsprojekte – mit Materialien wie Glas, Stein und Metall, oft fernab klassischer Holzarbeiten. „Das war verrückt und unglaublich spannend“, erinnert er sich. „Wir hatten kaum Grenzen. Oft hieß es: Das geht nicht – und genau dann haben wir es gemacht.“

Parallel dazu engagiert sich Martins seit rund acht Jahren im Schweizer Verband für die Berufsbildung im Schreinerhandwerk. Die Weitergabe von Wissen, die Zukunft des Handwerks und die Verbindung von Tradition und Innovation sind für ihn zentrale Themen. Dennoch fehlte ihm lange ein entscheidender Aspekt: der eigene gestalterische Ausdruck: „Ich hatte diesen Traum schon seit Jahren – eigene Möbel zu entwerfen, meine eigene Handschrift zu entwickeln.“ Vor rund zwei Jahren fiel die Entscheidung, diesen Schritt wirklich zu gehen. Mit atelier M12 gründete er sein eigenes Label, präsentierte sich erstmals auf einer Designmesse in Lausanne und baute Schritt für Schritt seine Kollektion auf. Noch arbeitet er parallel in der Bildungsarbeit, reduziert diesen Anteil aber kontinuierlich zugunsten seines Labels.

Warum atelier M12?

Der Name atelier M12 ist persönlich – und bewusst gewählt.
„Mein Name ist Michaël Martins, also M.M., und ich habe am 12.12. Geburtstag“, erklärt er. „Die 12 ist meine Zahl.“

Sie taucht nicht nur im Namen auf, sondern auch in der Philosophie des Labels: So gibt atelier M12 beispielsweise 12 Jahre Garantie auf seine Möbel. Ein klares Statement für Qualität, Langlebigkeit und Verantwortung.

Lokale Produktion als Überzeugung

atelier M12 produziert ausschließlich in der Schweiz – und das aus voller Überzeugung.
Martins arbeitet mit einer kleinen Auswahl an Partnerwerkstätten zusammen, die er je nach Projekt gezielt einsetzt. „Mir ist Vertrauen extrem wichtig. Qualität entsteht nur, wenn beide Seiten sich aufeinander verlassen können.“

Je nach Anforderung arbeitet er mit kleineren, sehr flexiblen Betrieben oder mit größeren Werkstätten, die auch Serien oder größere Stückzahlen realisieren können. Entscheidend ist dabei immer die enge Zusammenarbeit. „Es ist kein klassisches Auftraggeber-Verhältnis, sondern ein echtes Miteinander.“

Im Vergleich zu internationalen Produktionsprozessen sieht Martins vor allem Unterschiede in Organisation und Zuverlässigkeit. „Gute Betriebe gibt es überall“, sagt er. „Aber in der Schweiz gilt ein Termin – und dann steht er auch.“ Diese Präzision und Verlässlichkeit seien für ihn zentrale Werte..

Slow Design: Weniger ist mehr

atelier M12 steht für Slow Design – ein Ansatz, der sich durch alle Bereiche zieht.
Produziert wird ausschließlich auf Bestellung, ohne Lagerhaltung. Das reduziert nicht nur Verschwendung, sondern ermöglicht auch individuelle Anpassungen. Maße, Materialien oder Details können auf Kund:innenwünsche abgestimmt werden.

„Natürlich hat das Einfluss auf den Preis“, erklärt Martins. „Jedes Stück wird einzeln geplant und gefertigt.“ Dennoch liegen die Lieferzeiten mit rund zehn bis zwölf Wochen auf dem Niveau großer Möbelhäuser – ein Ergebnis sorgfältiger Planung und enger Abstimmung mit den Partnerbetrieben.

Bei der Materialwahl folgt er einem klaren Prinzip: Design zuerst, Material bewusst. Holz spielt dabei eine zentrale Rolle – wegen seiner Nachhaltigkeit, seiner Vielseitigkeit und seiner zeitlosen Qualität. Wo möglich, setzt Martins auf europäische oder Schweizer Hölzer und vermeidet exotische Materialien. Ziel ist immer, mit möglichst wenig Material möglichst viel Wirkung zu erzielen.

Kein Möbel wie das andere: Individualität als DNA

Individualität ist für atelier M12 kein Zusatz, sondern Teil der DNA.
Martins arbeitet eng mit Privatkund:innen ebenso wie mit Architekt:innen und Innenarchitekt:innen zusammen. Anpassungen gehören zum Prozess – sei es eine andere Farbe, ein Detail oder eine veränderte Proportion.

„Wenn ein Wunsch langfristig funktional oder ästhetisch nicht funktioniert, sage ich das auch“, betont er. „Dafür bin ich verantwortlich.“
Gerade diese ehrliche Beratung schätzen viele Kund:innen – und sie führt oft zu neuen Ideen. „Viele Weiterentwicklungen entstehen genau aus diesen Gesprächen.“

Ein Projekt liegt Michaël Martins besonders am Herzen: die Joa Collection, insbesondere das Sofa. Obwohl er viel Erfahrung mit Polsterarbeiten im Objektbereich hatte, war die Entwicklung eines eigenen Sofas eine neue Herausforderung. In enger Zusammenarbeit mit dem Polsterer entstand ein Möbelstück, das handwerkliche Präzision mit klarer Gestaltung verbindet.

„Viele sind überrascht, wenn sie hören, dass ich das selbst entworfen habe“, sagt er lächelnd. „Das zeigt, wie vielfältig das Schreinerhandwerk eigentlich ist.“

Blick nach vorn – und zur BLICKFANG

In den kommenden fünf Jahren möchte Martins atelier M12 weiterentwickeln, ohne sich stilistisch einengen zu lassen. Zwei bis drei neue Kollektionen pro Jahr sind sein Ziel, langfristig ein vielseitiges, aber klares Portfolio: Sitzmöbel, Regale, Bibliotheken – und neue Materialien wie Metall, die stärker integriert werden sollen.

Mit der BLICKFANG ist er erstmals auf einer Designmesse in Basel vertreten – und sieht darin einen wichtigen Schritt.
„Online allein reicht nicht“, sagt er. „Die Menschen wollen Möbel sehen, anfassen, erleben – und wissen, wer dahintersteht.“ Gerade in der Deutschschweiz spürt er eine große Offenheit für lokales Design und hochwertige, nachhaltig produzierte Möbel. Eine Sensibilität, die perfekt zu seiner Haltung passt.

atelier M12 steht noch am Anfang – aber mit klaren Werten, viel handwerklicher Erfahrung und einer spürbaren Leidenschaft für gutes Design.

Auf der BLICKFANG in Basel kannst du Michaël persönlich kennenlernen seine Möbel ausprobieren und direkt mitnehmen!

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