Studierendenwettbewerb Stuttgart 2026

AllgemeinHighlights BLICKFANG Stuttgart

Bühne für junge Kreativität

Die BLICKFANG Stuttgart ist seit jeher ein Treffpunkt für unabhängiges Design – und zugleich eine Plattform für den Nachwuchs von morgen. Auf der Sonderfläche des Studierendenwettbewerbs erhalten angehende Designer:innen die Möglichkeit, ihre Projekte, Prototypen und Visionen erstmals einem großen Publikum vorzustellen und wichtige Erfahrungen für ihren Einstieg in die professionelle Designwelt zu sammeln.

Hier wird experimentiert, gedacht, verworfen und neu erfunden. Die Fläche wird zum Spielfeld für mutige Konzepte und frische Ansätze, die zeigen, wie vielfältig und zukunftsorientiert Gestaltung heute sein kann. Gerade diese Offenheit macht die Arbeiten so spannend: kreativ, überraschend und oft fernab gewohnter Wege. Wer hier vorbeischaut, entdeckt neue Perspektiven – und vielleicht schon heute das Design von morgen.

Elena Jaworski & Lilith Wagner: Vom Acker in den urbanen Raum – die „Erntebank“

Wie aus landwirtschaftlichen Reststoffen ein langlebiges Möbelstück entstehen kann, zeigen Elena Jaworski und Lilith Wagner vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit ihrer „Erntebank“. Im Sinne von „Agricultural Reuse“ verwandeln sie massive PVC-Kerne aus der Zuckermais-Ernte – eigentlich ein Nebenprodukt ohne weitere Verwendung – in eine skulpturale Sitzgelegenheit für den urbanen Raum.

Der Entwurf lebt vom spannungsvollen Zusammenspiel der Materialien: robuste Kunststoffrollen treffen auf eine filigrane Unterkonstruktion aus Restmetall. Die natürlichen Farbnuancen der Rollen machen jede Bank zum Einzelstück. Gleichzeitig folgt die Gestaltung einem Prinzip radikaler Einfachheit: Mit nur vier Schrauben konstruiert, lässt sich das Möbel vollständig zerlegen und weiterdenken. Die „Erntebank“ steht damit exemplarisch für einen bewussten, zirkulären Umgang mit Ressourcen – und zeigt, wie aus Abfall durch kluges Design neue Werte entstehen können.

Ida Westrick: Die Ästhetik der Biegung – „LOU“

Wie viel Gestaltung braucht es, damit aus Fläche Funktion wird? Ida Westrick von der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster beantwortet diese Frage mit einer einzigen, präzisen Bewegung. Ihr Entwurf „LOU“ entsteht aus einer schlichten Metallplatte, die durch eine gezielte Biegung in den Raum tritt – ganz ohne zusätzliche Bauteile, Verbindungen oder Materialwechsel.

An der Schnittstelle zwischen Objekt und Möbel bewegt sich LOU spielerisch zwischen Skulptur und Gebrauchselement. In der hochglanzpolierten Ausführung wird die Oberfläche zum Spiegel, dessen Rundung die Reflexion sanft verzerrt und neue Perspektiven eröffnet. In der farbigen Variante verwandelt sich das Wandobjekt in eine funktionale Ablage für Briefe und Schlüssel, ergänzt durch eine magnetische Fläche als reduzierte Pinnwand. So entsteht aus minimalem Eingriff ein vielschichtiges Design, das Licht, Raum und Nutzung miteinander verbindet und zeigt, wie kraftvoll Einfachheit sein kann.

Johann Seidl & Nicholas Friedrich: Vom Garagentor zum Stadtmöbel

Ausgediente DDR-Garagentore bilden den Ausgangspunkt für das Projekt von Johann Seidl und Nicholas Friedrich, Studenten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Im Rahmen des Flagship-Projekts #3000Garagen der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 verleihen sie den Relikten einer prägenden Alltagskultur ein neues Leben und überführen sie in funktionale Stadtmöbel.

Die Garagenhöfe, einst Treffpunkte, Werkstätten und soziale Knotenpunkte, verlieren heute zunehmend ihre Bedeutung. Seidl und Friedrich bergen die charakteristischen Trapezbleche direkt vor Ort und formen sie durch präzise Schnitte und Kantungen zu minimalistischen Sitzbänken. Das robuste Material bleibt sichtbar, Gebrauchsspuren werden Teil der Gestaltung. So entstehen Möbel, die nicht nur funktional sind, sondern ihre Herkunft bewusst erzählen. Ein starkes Beispiel für zirkuläres Design, das regionale Geschichte bewahrt und in den öffentlichen Raum zurückbringt.

Lena Gerscher: Modulare Tradition – das „Toni Sofa“

Mit „Toni“ verbindet Lena Gerscher von der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster handwerkliche Präzision mit zeitgemäßen Wohnbedürfnissen. Ihr modulares Sofa aus weiß geöltem Eschenholz übersetzt die Beständigkeit klassischer Tischlerarbeit in ein Möbel, das sich flexibel an unterschiedliche Lebenssituationen anpasst.

Sichtbare Holzverbindungen machen die Konstruktion bewusst erfahrbar und unterstreichen die Stabilität des Entwurfs. Gleichzeitig verleihen weich gerundete Kanten und großzügige Radien dem massiven Korpus eine überraschende Leichtigkeit und eine einladende Haptik. Über präzise eingefräste Verbinder lassen sich die einzelnen Module werkzeuglos zusammenstecken, erweitern oder neu anordnen. „Toni“ steht so für ein durchdachtes, langlebiges Design, das handwerkliche Qualität mit Wandelbarkeit verbindet.

Andreas Empl & Michael Doepke: Form follows Process – der Bugholzhocker

Mit ihrem Bugholzhocker, entstanden an der Hochschule München, reduzieren Andreas Empl und Michael Doepke Gestaltung auf das Wesentliche: Material und Prozess. Aus einem einzigen, 15 Millimeter starken Holzbrett entsteht durch Wasserdampf und eigens entwickelte Biegevorrichtungen eine fließende, stabile Form – ganz ohne zusätzliche Verbindungen oder Bauteile.

Die Ästhetik ergibt sich direkt aus der Herstellung und macht das Handwerk sichtbar. Trotz seiner skulpturalen Anmutung bleibt der Hocker funktional, stapelbar und wird bereits in Kleinserie gefertigt. Ein Entwurf, der traditionelle Techniken klar und zeitgemäß interpretiert.

Mike Wirthensohn: Modularität mit Botschaft – „Round Off“

Mike Wirthensohn von der Hochschule für Gestaltung Offenbach entwickelt mit „Round Off“ ein Regalsystem, das Funktion und Bedeutung miteinander verbindet. Sieben Elemente lassen sich über ein einfaches Stecksystem flexibel kombinieren, ob als Wandregal oder freistehender Raumteiler. Charakteristisch sind die abgerundeten Kanten dort, wo Module aufeinandertreffen, während freie Ecken bewusst scharf bleiben. Diese formale Geste wird zur Metapher für zwischenmenschliche Beziehungen: Verbindung entsteht durch Annäherung, ohne die eigene Kontur zu verlieren. Lasergeschnittenes, gebogenes Aluminium verleiht dem System eine klare, grafische Leichtigkeit: Ein Entwurf, der Präzision und Konzeptstärke elegant vereint.

Sören Helle: Geometrie im Raum – der Hocker „Piet“

Mit „Piet“ entwirft Sören Helle von der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster einen Hocker, der Konstruktion und Form auf klare Geometrie reduziert. Drei formverleimte Schalen greifen präzise ineinander und werden in einer kreisrunden Sitzfläche fixiert. Aussparungen in den Beinen öffnen den Korpus und schaffen unerwartete Durchblicke, die dem Möbel eine leichte, fast grafische Wirkung verleihen. Die runden Öffnungen entstehen erst im Biegeprozess des Holzes und spiegeln die Form der farbig geölten Sitzfläche wider. Lösbare Verbindungen sorgen zudem für Reparierbarkeit und Langlebigkeit. So verbindet „Piet“ handwerkliche Genauigkeit mit spielerischer Leichtigkeit und bringt in Blau, Rot oder Grün frische Akzente in den Raum.

Tom Rosenbaum: Bewegung als Prinzip – „DODA“

Tom Rosenbaum von der HTW Berlin entwickelt mit „DODA“ ein Sitzmöbel, das starre Arbeitsroutinen bewusst aufbricht. Die hybride Sitz-Steh-Kombination fördert den Wechsel der Haltung und macht Bewegung zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitstags. Mit nur einem Handgriff wird die Rückenlehne zur stabilen Stehstütze. Eine integrierte Gasfeder und eine leichte Rotationsfunktion unterstützen den fließenden Übergang zwischen aktivem Sitzen und entspanntem Anlehnen, während ein integrierter Sitzzeit-Tracker zu regelmäßigen Positionswechseln anregt. Trotz der technischen Raffinesse bleibt die Form klar und reduziert.

Veronika Hampel: Textile Statik – das Regal „abhängen“

Veronika Hampel von der TH Rosenheim zeigt mit „abhängen“, dass Stoff mehr als Oberfläche sein kann. Das modulare Regalsystem nutzt die Spannung textiler Bahnen, um filigrane Aluminiumböden ohne starre Verschraubungen zu halten. Das Ergebnis ist ein Möbel, das leicht und schwebend wirkt, gleichzeitig aber funktional und stabil bleibt. Hergestellt aus 100 % recyceltem Polyester und recycelbarem Aluminium, ist „abhängen“ als Flatpack konzipiert: reparierbar, sortenrein trennbar und konsequent nachhaltig.

Vincent Jurr: Licht gewordene Gezeiten – „Frozen Tide“

„Frozen Tide“ verwandelt die Dynamik des Meeres in ein filigranes Porzellanstück. Vincent Jurr von der Weißensee Kunsthochschule Berlin interpretiert die klassische Lithophanie neu: Licht fällt durch unterschiedlich dicke Porzellanschichten und erzeugt subtile Schattierungen, die an Ebbe und Flut erinnern. Die Frontscheibe entsteht in einem experimentellen Gussverfahren: Während des Trocknens rotiert das flüssige Porzellan in der Form, lagert sich in variierenden Stärken ab und macht jedes Exemplar zu einem einzigartigen Unikat. Das organisch-handwerklich gefertigte Schirmdesign trifft auf ein präzises 3D-gedrucktes Gehäuse aus recyceltem PLA. So entsteht eine Lichtskulptur, die künstlerisches Experiment, physikalische Prozesse und moderne Fertigung vereint.

Yerin Kim: Bewusster Konsum durch Design – „SAVEIT“

„SAVEIT“ von Yerin Kim (UdK Berlin) setzt auf intelligentes Design, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Das rotierende Zwei-Wege-Modul sorgt dafür, dass Vorräte nach dem „First In, First Out“-Prinzip genutzt werden, während bessere Sichtbarkeit und einfacher Zugriff verhindern, dass Lebensmittel vergessen werden. Modular aus Edelstahl und Aluminium gefertigt, lässt sich das System flexibel an unterschiedliche Haushaltsgrößen anpassen und bleibt durch austauschbare Komponenten langlebig. So verbindet „SAVEIT“ Alltagstauglichkeit mit nachhaltiger Verantwortung.

Kiara Kiefer und Ava Knauf: Nähe über Distanz - „Fika“

Mit „Fika“ widmen sich Kiara Kiefer und Ava Knauf von der Hochschule Mainz der Frage, wie Verbundenheit über räumliche Distanz spürbar bleiben kann. Ihr Objekt-Duo aus Nussholz-Untersetzer und Porzellantasse übersetzt eine alltägliche Geste in ein leises Zeichen der Präsenz.

Sobald eine Tasse befüllt wird, beginnt das Gegenstück beim Partner sanft zu leuchten. Das Licht wird zur stillen Botschaft: „Ich bin da.“

Technik tritt dabei bewusst in den Hintergrund und verschwindet hinter warmen, natürlichen Materialien. „Fika“ verwandelt das gemeinsame Kaffeetrinken in ein verbindendes Ritual – selbst dann, wenn man nicht am selben Tisch sitzt.

Luis Dalbeck: Harmonie der Kontraste – „Frame“

Mit der Leuchte „Frame“ verbindet Luis Dalbeck von der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster kühle Präzision mit warmer Lichtwirkung. Der Entwurf lebt vom bewussten Zusammenspiel gebürsteten Aluminiums mit feinem Shoji-Papier.

Im ausgeschalteten Zustand wirkt „Frame“ wie eine grafische, architektonische Struktur im Raum. Erst beim Einschalten entfaltet sich ein weiches, atmosphärisches Licht, das durch das Papier sanft gebrochen wird und eine ruhige, harmonische Stimmung erzeugt.

„Frame“ ist mehr als eine Lichtquelle – es ist ein reduziertes, poetisches Objekt, das zeigt, wie viel Wirkung in klaren Linien und ausgewählten Materialien liegen kann.

Maria van Aerssen: Elementare Leichtigkeit – „kuno“

Mit „kuno“ reduziert Maria van Aerssen die Gestaltung auf Material und Prozess. Der Stuhl aus Eschenholz entsteht durch das traditionelle Bugholzverfahren, bei dem Wasserdampf das Holz formbar macht und in eine fließende Silhouette überführt.

Der Entwurf kommt vollständig ohne Schrauben oder zusätzliche Verbindungselemente aus. Holz und handgenähtes schwarzes Leder bilden eine konstruktive Einheit – die gespannte Sitzfläche ist integraler Bestandteil der Statik.

„kuno“ steht für radikale Reduktion und handwerkliche Klarheit. Ein Möbel, das seine Entstehung nicht versteckt, sondern sichtbar macht – und daraus seine zeitlose Eleganz gewinnt.

Julia Baisch: Natur als Rückzugsort – „Hängrum“

Mit „Hängrum“ reagiert Julia Baisch von der TH Würzburg-Schweinfurt auf eine zentrale Herausforderung urbanen Wohnens: wenig Raum, viel Reizüberflutung. Ihre multifunktionale Wandinstallation bringt biophile Gestaltungsprinzipien in kleine Wohnungen und schafft einen Ort der Ruhe mitten im Alltag.

Im hochgeklappten Zustand fungiert das Objekt als platzsparende Garderobe mit Stauraum. Mit einem Handgriff verwandelt sich die Konstruktion jedoch in eine Hängematte – ein unmittelbarer Perspektivwechsel vom funktionalen Möbel zum Rückzugsort. Auch als Gästebett oder flexible Couchlösung lässt sich „Hängrum“ nutzen.

Technisch überzeugt der Entwurf durch raffinierte Details: Unsichtbar integrierte Stützfüße und ein komplex verflochtenes Paracord-Netz sorgen für Stabilität und Leichtigkeit zugleich. „Hängrum“ zeigt, wie durchdachtes Design auf engem Raum neue Lebensqualität schaffen kann.

 Junge Kreativität erleben

Die Sonderfläche des Studierendenwettbewerbs auf der BLICKFANG Stuttgart bietet einen Einblick in die Ideenwelt des Designnachwuchses. Hier treffen experimentelle Konzepte auf durchdachte Lösungen, und die Arbeiten der jungen Talente zeigen eindrucksvoll, wie innovativ und überraschend die Gestaltung von morgen sein kann.

Wer die Fläche besucht, entdeckt nicht nur spannende Prototypen, sondern bekommt auch die Gelegenheit, die kreativen Köpfe hinter den Projekten kennenzulernen und ihre Denkprozesse hautnah nachzuvollziehen.

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