Zwischen Werkbank und Welt: Atelier Zerum bei der BLICKFANG

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Marco Zebrowksi von Atelier Zerum.
Marco Zebrowski von Atelier Zerum
© Peter Oliver Wolff

„Mich wundert eher, warum wir Menschen andere Materialien benutzen“, sagt Marco und lacht. Für ihn ist Holz das selbstverständlichste Material der Welt; es wächst, altert und lässt sich immer wieder überarbeiten. Wer Marco und Dominic begegnet, spürt sofort: Hier entsteht Design mit einer klaren Haltung zu Qualität, Langlebigkeit und der Wertschätzung des Materials.

Holz als natürliches Gegenüber

Atelier Zerum arbeitet ausschließlich mit heimischen Hölzern. Zwar arbeiten sie mit allen Hölzern, besonders faszinieren die beiden Fichte und Kiefer – klassische Hölzer, deren „Superpower“ in der groben Maserung liegt. Durch intensives Bürsten entstehen Oberflächen mit starker Haptik. Kleine Risse gelten nicht als Fehler, sondern als Spuren der Geschichte. Es ist eine Arbeit mit organischen Materialien, die sich über verschiedene Disziplinen erstreckt: von der Holzarbeit und Schnitzerei bis hin zur Ölmalerei und experimentellen Ansätzen.

Marco Zebrowksi von Atelier Zerum.
© Peter Oliver Wolff

An der Schnittstelle von Kunst und Design

Marco versteht sich als Designer und Künstler zugleich. „Wenn ich einen Stuhl mache, muss der bequem sein“, sagt er. Erst wenn die Funktion erfüllt ist, darf es „wild“ werden. Während er als Künstler vor allem in Galerien ausstellt – etwa in den Reinbeckhallen Berlin, bei passage.art oder auf der Collectible in Brüssel –, entstehen im Designkontext funktionale Möbel. Sein Treow Lounge Chair ist dafür das beste Beispiel: ein handgeschnitztes Unikat, das als lebenslanger Begleiter konzipiert ist.

Wurzeln in Eberbach, Inspiration in der Welt

Die Wurzeln dieser Arbeit reichen weit zurück: Die Familie Rumstadt lebt das Handwerk seit 1848. Die Schreinerei in Eberbach am Neckar – einer Kleinstadt geprägt von Fachwerk und den Wäldern des Odenwalds – ist der zentrale Bezugspunkt der Zusammenarbeit zwischen Marco und Dominic.

Der Weg dorthin führte Marco über Darmstadt, Basel und Paris, wo er bei Constance Guisset lernte. Besonders prägend war die Zeit in Japan: In Fukuoka beobachtete er, wie Handwerk wirklich gelebt wird. Er hat Werkstätten besucht, Handwerker getroffen, viel beobachtet und gemerkt, dass sich manche Dinge besser mit den Händen als mit Worten erklären. Diese ganz spezifische Haltung der Achtsamkeit und die „feine, bewusste Spielerei“ finden sich heute in jedem Detail wieder.

Gemälde von Marco Zebrowski (Atelier Zerum) in den Reinbeckhallen.
Soloshow in den Reinbeckhallen
Das Regal "Fususma Shelf" von Atelier Zerum.

Das Wissen teilen

Zur BLICKFANG Stuttgart präsentiert sich Atelier Zerum als festes Gemeinschaftsprojekt. Ein Schlüsselstück ist das Fusuma Shelf aus massiver Esche oder Eiche, das seine Stärke aus der Zurückhaltung zieht und gerade dadurch Objekten, Keramik oder Büchern eine Bühne gibt. Die runden Rundstäbe machen das Regal haptisch und „vertrauenswürdig“, wie Marco es beschreibt; gleichzeitig ist es von allen Seiten offen und kann als raumteilendes Möbel mitten im Raum stehen.

Aktuell ist das Regal aus Esche, zur BLICKFANG soll es zudem eine Variante aus Eiche geben, gedacht als Möbel, das sich in Kleinserie produzieren lässt. Daneben planen Marco und Dominik, einen deutlich künstlerischeren Gegenpol zu zeigen, etwa eine Leuchte, einen Coffee Table oder den Treow Chair, um die Bandbreite zwischen funktionalem Möbel und Collectible sichtbar zu machen.

Marco geht es um mehr als den Verkauf fertiger Möbel: Er möchte künftig Design zum Selbstbauen anbieten. Eine Idee, die fast radikal demokratisch ist: einfache Möbel, deren Baupläne man kostenlos herunterladen, im Baumarkt zuschneiden lassen und zu Hause selbst bauen kann, mit Spielraum für eigene Formen und Farben. Er möchte seine Erfahrungen im Umgang mit Holzoberflächen und Maserungen teilen und Menschen ermutigen, selbst wieder handwerklich aktiv zu werden.

Ausblick: Zwischen Biologie und Ästhetik

Die Reise geht weiter: Nach Ausstellungen in Mailand und Leipzig sind künftig Präsentationen in London und Sofia geplant. Im Rahmen einer Residency im Schloss Willebadessen arbeitet Marco derzeit an der Schnittstelle zwischen Kunst, Design und Biologie – angetrieben von der Neugier, den Wald als wertfreien Erfahrungsraum vom kleinsten Detail bis zum großen Ganzen zu verstehen.

Auf der BLICKFANG Stuttgart hast du die Chance, Marco persönlich kennenlernen und seine Kunst live zu erleben. Hier Tickets sichern!

Der Treow Lounge Chair von Marco Zebrowski.
Treow Lounge Chair
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