Designpreis Jury Basel 2026

DesignpreisHighlights BLICKFANG BaselInterviews

Für echte Gewinnertypen

Die BLICKFANG steht für exzellentes, unabhängiges Design – und genau das würdigt auch in diesem Jahr der begehrte Designpreis.

Seit vielen Jahren ist der Designpreis eines der zentralen Highlights der BLICKFANG – eine Auszeichnung, die herausragendes Design sichtbar macht und kreativen Talenten eine Plattform bietet. In diesem Jahr erweitert sich der Preis um eine dritte Kategorie: Neben Möbel & Produktdesign sowie Mode & Schmuck werden nun auch Mode- und Wohnaccessoires prämiert.

Eine hochkarätige Fachjury aus Expert:innen der Designbranche bewertet die Designlabels in allen Kategorien und wählt die Gewinner:innen aus. Dabei wird neben der gestalterischen Qualität auch der konzeptionelle Ansatz sowie die handwerkliche Umsetzung berücksichtigt.

Gefördert wird der Designpreis von der D.E.S.I.G.N. Foundation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, außergewöhnliches Design und kreative Talente zu unterstützen. Mit dieser Auszeichnung setzt die BLICKFANG erneut ein starkes Zeichen für innovative Gestaltung und hochwertige Designprodukte.

Die Fachjury der BLICKFANG Basel 2026:

Sophie Mercedes Lardon I Designerin

Sophie Mercedes Lardon ist Designerin und Künstlerin mit Sitz in Basel. 2019 gründete sie Studio Mercedes, ein interdisziplinäres Studio für Interior, Szenografie und Produktdesign. Zuvor studierte sie an der Central Saint Martins in London und arbeitete als Raumdesignerin sowie in der kreativen Leitung für Institutionen wie die Royal Academy of Arts und das Trinity Laban Conservatoire. In ihrer Praxis verbindet sie räumliche Konzeption mit Materialforschung und beschäftigt sich künstlerisch mit Biomimikry und natürlichen Kreislaufsystemen. Zudem ist sie Co-Host des Kulturpodcasts „This is Basel“.

1. Was macht für dich gutes Design aus?  

Gutes Design schafft einen Moment ästhetischer Ruhe – selbst wenn es komplex ist. Es wirkt selbstverständlich, ohne banal zu sein, und hinterlässt eine subtile Neugier. Idealerweise ist es zeitlos gedacht: nicht dem Trend verpflichtet, sondern einer Haltung.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?  

Kein direktes Stück aber die Arbeiten von Dimore Studio beeindrucken mich immer wieder. Sie verweben Szenografie und Interior Design auf radikale, aber zugleich sehr zugängliche Weise. Ihre Räume erzählen Geschichten die vollgepackt sind mit Charisma.

3a. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?  

Ich hoffe Nachhaltigkeit und Ästhetik werden sich nicht länger gegenüberstehen, sondern als Einheit gedacht werden. Ohne gestalterische Qualität bleibt Nachhaltigkeit wirkungslos – und umgekehrt. Gleichzeitig sehe ich eine Rückbesinnung auf Handwerk und lokale Produktion. Entscheidend wird sein, ob das mehr ist als ein kurzfristiger Trend.

3b. Wohin wird sich in deinen Augen Mode-Design in Zukunft entwickeln?  

Nach dem Revival der 90er sehe ich ein wachsendes Interesse an dramatischeren, surrealistischeren Silhouetten – etwa bei Harris Reed oder dem Haus Schiaparelli. Gleichzeitig wird auch hier die Frage nach Materialität und Verantwortung zentraler werden. Vielleicht bleiben die Zyklen, werden aber bewusster reflektiert.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil … 

...sie Designerinnen und Designern eine unabhängige Plattform bietet, ihre Arbeiten direkt zu präsentieren und unmittelbares Feedback vom Publikum zu erhalten. Dieser direkte Austausch ist gerade für unabhängige Positionen entscheidend.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben? 

Kenn deine Nische, aber definiere nicht über den Vergleich mit anderen. Entwickle Haltung und bleib offen für Veränderung, ein Nein ist oft nur ein Umweg.

Rolf Fischer I Innenarchitekt und Fotograf

Rolf Fischer ist Innenarchitekt und Fotograf mit langjähriger Erfahrung als Berater, Planer und Bauherrenvertreter. Seine Projekte reichen vom Kinderzimmer bis zum Grossraumbüro, vom Ausstellungsraum bis zur Kirche. Er entwickelt ganzheitliche Innenraumkonzepte für öffentliche und repräsentative Orte, Geschäftsräume sowie Wohn- und Arbeitswelten. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Wohlbefinden der Menschen im Raum – physisch, psychisch und sozial. Neben funktionalen Lösungen gestaltet er Atmosphären, die Beziehungen und Bedeutungen zwischen Mensch und Raum entstehen lassen.

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Für mich ist Design die Symbiose von Funktion, Form und Nachhaltigkeit.

Es reagiert auf ein Bedürfnis, einer Anforderung und einer Idee. All dies mit Rücksicht auf Nachhaltigkeit und Ästhetik.

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Da ich mich vorwiegend im Möbeldesign bewege, sind für mich die Produkte von Edra und MDF Italia immer wieder überzeugend.

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel-Design in Zukunft entwickeln?

Ich denke, die Herausforderung wird die menschliche Genialität sein. Kein Produkt sollte  der KI zu «überlassen» werden.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

...dieser Anlass Designer, Produzenten und Publikum auf kleinstem Raum zusammenbringt. Austausch zulässt und Kritik akzeptiert.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Ich komme zurück auf Punkt 3. Design sollte nicht durch irgendwelche KI entstehen, sondern durch menschliche Werte wie Empathie, Genialität, Einzigartigkeit.

Dr. phil. Barbara Mutzbauer I Szenografin, Innenarchitektin und Dozentin

Dr. Barbara Mutzbauer ist Szenografin, Innenarchitektin und Dozentin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Frage, wie Raumatmosphären sinnlich und intellektuell auf Menschen wirken. Sie unterrichtet Spatial Design an der Hochschule Luzern Design Film Kunst sowie Atmospheric Design an der Zürcher Hochschule der Künste, wo sie auch im MAS Arts & Design lehrt. Mit ihrem Studio Barbara Mutzbauer Creative entwickelt sie narrative und multisensorische Raumkonzepte. In Forschung und Lehre widmet sie sich den Themen Healing Spaces und Immersive Sound sowie den ästhetischen und gesundheitsrelevanten Qualitäten unserer gestalteten Umwelt. Regelmäßig publiziert sie zu Raumwahrnehmung und Kommunikation in und durch Raum.

© Ivan Engler

1. Was macht für dich gutes Design aus?

Gut ist ein Urteil und eine Wertung aus einer binären Denkweise heraus. Wenn es gut gibt, gibt es auch schlecht und dabei geht ein wichtiger Punkt verloren: der Kontext. Es wäre mir auch zu oberflächlich zu sagen, gutes Design müsse zwingend zeitlos sein oder irgendeinem anderen Dogma der Neuzeit entsprechen – mensch denke nur an „form follows function“. Ich würde das gerne anreichern und mehr differenzieren. Denn ein Design kann für die eine Zielgruppe sehr gut sein, während es in einem anderen Nutzungskontext nicht das richtige wäre. Das heisst wir sollten lieber von adäquaten oder im Kontext passenden Lösungen sprechen. Und davon, dass Design eine Dienstleistung für Menschen oder den Planeten als ganzes System sein sollte und es immer darauf ankommt was genau die Bedürfnisse sind. Vor dem Hintergrund kann ich dennoch pointiert antworten: Wenn ein Design nicht wirklich gebraucht wird, dann ist es auch nicht gut

2. Welches Designstück hat dich in letzter Zeit begeistert und warum?

Meine Handtasche von Miomojo. Sie ist komplett aus einem innovativen veganen Material hergestellt und trägt das auch laut als Aufschrift: MADE FROM APPLES. Das hat schon öfter Gegenreaktionen ausgelöst – eine italienische Tasche, die nicht aus gutem Leder sein will?

Diese Tasche begeistert mich, da sie nicht nur haptisch sehr überzeugend, stabil und angenehm in der Hand ist, sondern auch einen speziellen Farbton hat, etwas zwischen Rosa und Terracotta. Das macht die Tasche aufregend zu kombinieren, was mir als Gestalterin meine erfreuliche Dopaminration beim Stylen verschafft.

Noch mehr als Qualität und ästhetische Raffinesse begeistert mich die ethische Grundhaltung der Marke. Die Materialien von Miomojo bestehen aus verschiedenen pflanzlichen Abfallmaterialien der Lebensmittelindustrie und reduzieren so Abfall. Das ist cruelty-free, denn es wird auch keine Fleischindustrie dadurch im Nachhinein gerechtfertigt. Meine Tasche ist ein Statement für bewussteren Modekonsum und zeigt, dass Hochwertigkeit nicht auf die Ausbeutung von Tieren aufbauen muss. Scheinbar ist das provokant, aber ich finde es ist die Diskussion wert

3. Wohin wird sich in deinen Augen Möbel -Design in Zukunft entwickeln?

Die Besinnung auf den Wunsch Dinge zu schätzen und weiterzuverwenden, wird zu weniger Produkten mit höherer Qualität führen. Ich glaube wir werden die Wegwerfgesellschaft hinter uns lassen, zu Gunsten eines zirkulären Denkens. Das bedeutet, dass Materialien und auch Objekte im Kreislauf verbleiben können und Abfall gar nicht mehr entsteht. Ich habe die Hoffnung, dass sich dieses Denken in grosser Dimension in der Baubranche durchsetzen wird und im konkreten menschlichen Massstab im Möbeldesign. Ein Tisch, der handwerklich so wertig hergestellt wurde, dass es sich lohnt ihn wieder aufzuarbeiten, wird nicht entsorgt, sondern gepflegt. Dazu muss er natürlich als schön genug empfunden werden, um die Besitzer:innen in ihrem Leben weiter begleiten zu dürfen.

4. Die BLICKFANG ist wichtig, weil…

In einer Stadt wie Basel trifft viel internationales Know-how auf Menschen, die als Designschaffende unser Leben und unsere Zukunft mitgestalten wollen. Die ersten Metropolen Mesopotamiens haben das vorgemacht: die Co-kreative Kraft von vielen verschiedenen Talenten, Professionen, Bedürfnissen und Überzeugungen führt zu gemeinsamer Kreativität, Innovation und positivem Fortschritt. In solchen Zentren wurden bedeutende Entwicklungen gemacht, wie die Erfindung der Schrift. Die Blickfang ist als Event eine Plattform für die Kreativszene und ein Treffpunkt der Gesellschaft, die von all der Schaffenskraft profitieren kann. Echte Begegnung unter Menschen mit Bedeutung kann nicht nur im digitalen Raum stattfinden. Das Leben ist live und Gemeinschaft braucht das Zusammenkommen: Austausch im Hier und Jetzt. Es braucht dafür Ort und Zeit. Eine Veranstaltung, wie die Blickfang, bietet das.

5. Welchen guten Rat würdest du jungen Designer:innen heutzutage mit auf den Weg geben?

Ich würde es nicht nur auf den Weg geben, ich bespreche das als Dozierende mit den Studierenden sehr intensiv. Designer:innen sollten ästhetische Aussagen mit ihrem Wertekompass zum einen und ihrer Menschlichkeit zum anderen verbinden. Ein Wertekompass ist eine ethische Haltung, ein Mindset. Das Gute am eigenen Mindset ist, dass mensch es nicht blind übernehmen muss, sondern es sich aus der eigenen Überlegung und Haltung heraus zurechtlegen und danach handeln kann. Die andere Komponente ist unsere Menschlichkeit, mit all ihren Zweifeln und Schwierigkeiten, aber auch mit all ihrer Sinnlichkeit, emotionalen Intelligenz und Empathie. In einem hochtechnologisierten Zeitalter sind Mindset und ein Wissen darum, was es bedeutet Mensch zu sein, unerlässlich.

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