MILLA VON COSY: Design mit Herz und Haltung

Mela Elger
Gründerin von dem Taschenlabel MILLA VON COSY
Mela Elger beobachtet Taschen, seit sie denken kann – ihre Formen, ihre Funktion, ihre Wirkung im Alltag. Was als frühe Faszination begann, wurde 2023 zu einem klaren Entschluss: ein eigenes Taschenlabel, das Ästhetik und Verantwortung verbindet.
Im Mittelpunkt ihrer Entwürfe steht ein Material, das den Charakter der Taschen prägt: Apfeltextil. Es entsteht aus Resten der Apfelsaftproduktion – Schalen, Fasern und Kernen, die getrocknet, zu Pulver verarbeitet und mit einem Bindemittel Schicht für Schicht auf einen textilen Träger aufgebracht werden. In Südtirol wird so aus landwirtschaftlichen Nebenprodukten ein veganes Leder mit weicher Haptik und hoher Strapazierfähigkeit.
Als ressourcenschonende Alternative zu tierischem Leder nutzt Apfelleder vorhandene Rohstoffe, reduziert CO₂-Emissionen im Vergleich zu konventionellen Materialien und kommt ohne tierische Bestandteile aus. Dass MILLA VON COSY dieses Material wählt, ist Ausdruck einer klaren Haltung.
Gefertigt in Europa, ergänzt um einen handgearbeiteten LoveTag als Zeichen der Verbundenheit, stehen ihre Taschen für bewusste Entscheidungen – gegen Schnelllebigkeit und für Wertschätzung. Sie sind so entworfen, dass sie tagsüber ebenso funktionieren wie am Abend, reduziert in der Form und zugleich persönlich im Detail.
Bevor du Mela Elger auf der BLICKFANG Stuttgart persönlich begegnest, gibt sie hier Einblick in ihre Gedankenwelt, ihre Motivation und den Weg hinter MILLA VON COSY.
Wie hat alles begonnen – erinnerst du dich an den Moment, in dem aus einer Idee der Wunsch wurde, ein eigenes Taschenlabel zu gründen?
Ich kann mich nicht an diesen einen Moment erinnern – es war eher ein Prozess, und der liegt schon lange zurück. Die Liebe zu Taschen begleitet mich seit vielen Jahren. Meine Mutter hatte einen regelrechten Taschenfimmel, und ich habe früh angefangen, darauf zu achten, welche Taschen Menschen tragen und wie sie sie kombinieren.
Vor etwa zwölf Jahren hatte ich das erste Mal eine konkrete Modellidee und habe sie sogar bis zur Produktionsreife entwickelt. Damals habe ich es nebenberuflich gemacht und nicht umgesetzt. 2023 habe ich dann entschieden: Jetzt setze ich es wirklich um. So ist MILLA VON COSY entstanden – mit dem festen Willen, es diesmal durchzuziehen.

Wann war für dich klar, dass Tierleder keine Option ist?
Von Anfang an. Ich habe nie damit geliebäugelt, mit Leder zu arbeiten – zum einen wegen des Tierleids, zum anderen wegen der enormen Umweltbelastung durch die Gerberei. Ich habe mich intensiv mit Alternativen beschäftigt und mir die Zahlen zu CO₂- und Wasserverbrauch angesehen. Im Vergleich dazu schneiden viele pflanzliche Materialien deutlich besser ab. Für mich war deshalb klar: Das ist nicht der Weg, den ich gehen möchte.
Apfeltextil ist ein Material, das viele erst kennenlernen müssen. Was hat dich daran besonders überzeugt?
Vor allem die Haptik. Apfelleder gibt es in unterschiedlichen Qualitäten – etwas steifer oder weicher –, sodass man je nach Schnitt gut wählen kann.
Außerdem entstehen die Apfelreste in Europa, vor allem in Südtirol, wo sie auch verarbeitet werden. Die Transportwege sind kurz. Diese Kombination aus Qualität und regionaler Nähe war für mich ausschlaggebend.
Wie entsteht eine Tasche bei MILLA VON COSY – vom ersten Entwurf bis zur fertigen Serie?
Am Anfang steht eine Idee. Ich zeichne und nähe einen ersten Rohprototypen, zunächst ohne Futter, nur um die Form zu testen. Wenn ich zufrieden bin, arbeite ich mit einer Technikerin zusammen, die meinen Schnitt produktionsreif macht. In der Näherei entsteht dann ein weiterer Prototyp. Erst wenn alles stimmt, geht das Modell in Serie.
Dieses Jahr gehe ich für vier Monate nach Mailand, um 3D-Konstruktion zu lernen. Ich möchte die Prozesse künftig noch besser selbst steuern können. Perspektivisch wünsche ich mir außerdem eine eigene Näherei in Hamburg – auch wenn das eine große Herausforderung ist, weil viele handwerkliche Strukturen hier kaum noch existieren.
Du produzierst bewusst in Europa. Was bedeutet dir diese Nähe?
Es ist für mich eine Grundvoraussetzung, dass durch meine Produktion kein Leid entsteht. Ich möchte wissen, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird.
Darüber hinaus schätze ich den respektvollen, persönlichen Austausch mit allen Beteiligten sehr – in der Näherei genauso wie bei Details wie den LoveTags. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe macht für mich einen großen Unterschied.


Deine Taschen begleiten durch Alltag, Reisen und Abendtermine. Wie beeinflusst das deine Entwürfe?
Sehr stark. Wenn ich selbst verreise, möchte ich eine Tasche haben, die tagsüber funktioniert und abends genauso gut passt. Viele Modelle lassen sich deshalb unterschiedlich tragen – tagsüber crossbody, abends ohne Gurt in der Hand.
In der neuen Kollektion gibt es außerdem eine große Tote Bag mit gepolstertem Notebookfach. Sie ist elegant, aber absolut alltagstauglich. Diese Verbindung ist mir wichtig.
Der LoveTag ist ein sehr persönliches Element. Wie ist diese Idee entstanden?
Ursprünglich wollte ich ein Modell entwerfen, das für Verbundenheit steht – zwei Taschen, die zusammengehören. Eine trägt vielleicht deine beste Freundin oder deine Mutter.
Daraus entstand die Idee, aus jeder Tasche ein kleines Stück herauszulösen. Dieser Teil wird zum LoveTag. Man kann ihn selbst behalten oder weitergeben – als Zeichen von Nähe. Auch im Logo fehlt dieses kleine Stück. Es befindet sich im Schlüsselanhänger. Tasche und LoveTag tragen dieselbe Seriennummer und gehören zusammen. Das bedeutet viel Handarbeit, aber es symbolisiert genau das, worum es mir geht: Verbindung.
Wo findest du Inspiration für neue Designs?
Überall – in der Natur, beim Spaziergang, beim Beobachten von Menschen. Manchmal entsteht Inspiration auch aus einem ganz persönlichen Bedürfnis heraus.
Für den Herbst plane ich zum Beispiel einen Rucksack, weil ich selbst selten einen finde, der meinen Geschmack trifft. Dann denke ich: Das möchte ich besser machen.
Viele Labels sprechen über Nachhaltigkeit. Woran erkennt man, ob sie wirklich gelebt wird?
Für mich ist Nachhaltigkeit ein Prozess. Man kann nicht sagen: „Wir sind nachhaltig – Punkt.“ Es geht darum, sich stetig zu verbessern.
In der neuen Kollektion haben wir zum Beispiel weniger Metallteile eingesetzt, weil deren Herstellung viel Energie verbraucht. Wir prüfen neue Futterstoffe und testen Materialien aus Orangenresten mit natürlichen Harzen. Wichtig ist, dass Bewegung drin ist – kein Stillstand.
Wenn du nach vorne blickst: Womit beschäftigst du dich aktuell?
Ein Rucksack und ein Portemonnaie sind in Planung. Außerdem stellen wir die LoveTags auf Englisch um, damit sie international verständlich sind. Und ich bin sicher, dass ich aus Mailand mit vielen neuen Ideen zurückkomme.

Was wünschst du dir im Umgang mit Konsum und Wertschätzung?
Mir ist wichtig, dass Menschen bewusst unterscheiden. Natürlich kann sich jede und jeder eine Tasche kaufen, wie er oder sie möchte. Aber wenn ich eine Tasche für 50 Euro kaufe, sollte mir klar sein, dass sie sehr wahrscheinlich nicht unter menschenwürdigen Bedingungen entstanden ist. Das ist eine freie Entscheidung – mir geht es nicht ums Urteilen. Mir geht es um Bewusstsein. Wenn wir bestimmte Wege gehen, Materialien sorgfältig auswählen, in Europa produzieren und viel Handarbeit investieren, dann hat das seinen Preis. Gleichzeitig ist auch ein sehr hoher Preis kein Garant für gute Produktionsbedingungen.
Ich wünsche mir mehr Bewusstsein dafür – dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, Preise einzuordnen und Hintergründe zu verstehen.
Was wünschst du dir, dass Menschen fühlen, wenn sie eine MILLA VON COSY-Tasche tragen?
Ich wünsche mir, dass jede Tasche ein Versuch ist, Liebe in die Welt zu bringen – nicht kitschig gemeint, sondern ganz ernst. Und dass sie ihre Trägerin wirklich glücklich macht.
Mela Elger kannst du an der BLICKFANG in Stuttgart kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt ausprobieren und kaufen. Hier geht es zu den Tickets!