Vom Stamm zum Statement – Ein Gespräch mit LUHA.WOOD

Es begann mit Wochenenden. Mit Abenden in einer kleinen Werkstatt, mit Möbeln für Freunde und mit der Frage: Was wäre, wenn wir das ernst meinen? David und Lorenz arbeiteten damals noch im selben Fensterbaubetrieb, bauten nebenbei, diskutierten Werte, Herkunft, Qualität. Fünf Jahre später ist LUHA.WOOD ihre Antwort. Eine Marke, die nicht nur aus Massivholz besteht, sondern aus Überzeugung: kurze Wege, klare Linien, ehrlicher Service und die Bereitschaft, Verantwortung für jeden verarbeiteten Baum zu übernehmen.
Im Interview erzählen David und Lorenz, wie aus gemeinsamen Wochenendprojekten ein Unternehmen mit klarer Haltung wurde, warum sie bewusst auf Schweizer Holz setzen, was Nachhaltigkeit für sie im Alltag bedeutet und weshalb ein Möbelstück für sie immer auch eine Geschichte in sich trägt.
David, Lorenz, ihr arbeitet seit Jahren mit Holz – wie hat eure gemeinsame Leidenschaft LUHA.WOOD entstehen lassen?
David: Wir haben beide Schreiner gelernt und lange im gleichen Fensterbaubetrieb gearbeitet. Die Leidenschaft für Holz war immer da. Aber vor etwa fünf Jahren kam der Punkt, an dem wir gemerkt haben: Wir wollen konsequent mit Massivholz arbeiten und die Herkunft stärker in den Fokus rücken. Nachhaltigkeit und Langlebigkeit waren für uns keine Schlagworte, sondern eine Haltung. Also haben wir LUHA.WOOD gegründet.
Lorenz: Kennengelernt haben wir uns im Betrieb. Es gab dort eine kleine Werkstatt für Massanfertigungen. Am Wochenende oder abends haben wir Möbel für Freunde gebaut. Man half sich, tauschte Ideen aus. Irgendwann sagte David: „Eigentlich müssten wir mal was zusammen machen.“ Wir haben uns hingesetzt und unsere Werte definiert: Massivholz, regionale Partner, kurze Wege, ehrlicher Kontakt. Und genau das leben wir seit über fünf Jahren.


Wie habt ihr euch als Gründerduo ergänzt – gibt es klare Rollen zwischen Design, Handwerk und Kundenbetreuung, oder verschwimmen diese Bereiche?
David: In der Werkstatt sind wir beide gleich präsent. Im Büro haben sich die Aufgaben nach Stärken verteilt: Lorenz verantwortet Marketing und Social Media, ich Finanzen und Buchhaltung. Die Kundenbetreuung und Verkauf machen wir gemeinsam.
Lorenz: Uns ist wichtig, dass nichts „übergeben“ wird. Wer berät, bleibt Ansprechpartner bis zur Auslieferung. Viel läuft über WhatsApp Business: Zeichnungen, 3D-Ansichten, Offerten. Schnell, direkt, transparent. Wir ergänzen uns gut: David hält die Zahlen im Blick, ich investiere eher in Sichtbarkeit. Und in der Werkstatt müssen wir oft zu zweit sein – Massivholz trägt man nicht allein durchs Leben.



Eure Möbelstücke werden in der eigenen Werkstatt in Zürich gefertigt. Wie hat sich diese Werkstatt für euch entwickelt, und welche Rolle spielt sie für eure Marke?
David: Am Anfang waren wir eingemietet, mit gemieteten Maschinen. Es war funktional, aber nicht unser Ort. In Zürich haben wir dann eine bestehende, komplett zugestellte Schreinerei gefunden. Vier Monate Eigenleistung später war daraus unsere Werkstatt geworden – so, wie wir sie uns vorgestellt haben.
Lorenz: Die Werkstatt ist nicht nur Produktionsort, sondern auch Beratungsraum. Wir haben sogar bei neuen Maschinen auf passende Farben bestanden. Viele Kunden sagen beim Reinkommen: „So eine Werkstatt habe ich noch nie gesehen.“ Genau das wollten wir. Wer uns auf Instagram folgt, sieht die Entstehung. Wer hier steht, erlebt sie.

Nachhaltigkeit wird bei euch großgeschrieben – könnt ihr ein paar Beispiele nennen, wie ihr das konkret angeht?
David: Wenn man realisiert, dass man Bäume verarbeitet, die 80 oder 150 Jahre gewachsen sind, verändert das den Blick. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit: kurze Wege, Schweizer Holz, regionale Partner.
Lorenz: Und ganz praktische Entscheidungen: Für Maßaufnahmen in Zürich nehmen wir, wenn möglich, das Lastenrad. Wir haben neben unserem Transporter auch einen vollelektrischen ID-Bus. Späne pressen wir zu Pellets – im Winter heizen wir damit selbst, im Sommer verkaufen wir Überschuss. Abschnitte werden zu Untersetzern oder kleinen Accessoires weiterverarbeitet. Wir arbeiten nahezu papierfrei und nutzen lebensmittelechte, schadstoffarme Oberflächen. Und: Für jeden Tisch pflanzen wir in der Schweiz einen neuen Baum.
Ihr setzt auf Schweizer Holz. Warum?
David: Nicht, weil es besser ist als anderes Holz sondern wegen der kurzen Wege und der Verantwortung. Jedes Land sollte seine eigenen Ressourcen nutzen.
Wir haben auch das Schweizer Holzzertifikat, das uns erlaubt und gleichzeitig verpflichtet, nur Schweizer Hölzer zu verwenden. Und wir arbeiten mit Partnern in der Nähe damit Transportwege klein bleiben.
Wie geht ihr mit Maserungen, Ästen und Rissen um – Herausforderung oder Inspiration?
David: Für uns sind das die schönsten Stellen. Was bei anderen vielleicht als Brennholz endet, ist für uns Charakter. Äste, Risse, „Leben“ im Holz machen jede Platte einzigartig. Wir kaufen bewusst rustikale Stämme und verwandeln sie in hochwertige Möbel. Gerade diese Imperfektion macht sie besonders.
Wie wählt ihr eure Partner aus – und welche Rolle spielt lokale Vernetzung?
Lorenz: Regionalität ist wichtig, aber entscheidend ist das Menschliche. Wir arbeiten nur mit Partnern, mit denen Kommunikation schnell und respektvoll funktioniert – oft ganz unkompliziert über WhatsApp. Fotos aus dem Lager, kurze Abstimmungen, direkte Entscheidungen.
Unser Servicegedanke ist stark: Kundinnen und Kunden sollen innerhalb von 24 Stunden eine Offerte erhalten – häufig sogar schneller. Wer bei uns einen Tisch bestellt, investiert bewusst. Dieses Vertrauen verdient Tempo und Verlässlichkeit. Deshalb beantworten wir auch mal eine Nachricht am Wochenende, wenn es schnell geht.
Eure Kunden können den Baum zu ihrem Tisch via QR-Code nachverfolgen. Wie wirkt sich das aus?
Lorenz: Der QR-Code führt zu dem neuen Baum, den wir pflanzen – nicht zum gefällten. Das Schweizer Holzzertifikat ist zwar so aufgebaut, dass man einen Baum nachvollziehen kann: wo er stand, wann er geschlagen wurde, wie lange und wo er getrocknet wurde, aber wir richten den Blick der Kunden eher in die Zukunft. Mit unserem Partner Almighty Tree pflanzen wir regelmäßig im Raum Zürich für jeden Tisch, der unsere Werkstatt verlässt, einen neuen Baum. Mittlerweile wurden so schon 272 Bäume gepflanzt. Kunden können live dabei sein und erhalten ein Zertifikat für ihren persönlichen Baum, bei größeren Aufträgen drucken wir das auch gerne auf Holz.
Wenn man im Wald steht, mit dem Förster spricht und selbst pflanzt, bekommt das Material eine andere Dimension. Man merkt: Dieses Holz war vielleicht 200 Jahre Teil eines Waldes. Das prägt den Umgang auch mit jedem einzelnen Abschnitt.

Mit dem Papillon Tabouret habt ihr den Future Forward Award gewonnen! Wie entstand der Papillon Tabouret – und was macht ihn besonders?
David: Über eine Anfrage von Jonas von Vogt Landschaftsarchitekten. Der Hocker war bereits für einen Großanlass entworfen worden. Die Frage war: Lässt sich das in Holz umsetzen? Die Konstruktion war anspruchsvoll, aber wir fanden eine Lösung. Als die ersten Exemplare fertig waren, war klar: Das hat Potenzial. Wir produzieren ihn exklusiv und bieten ihn in verschiedenen Holzarten wie Nussbaum, Eiche und Douglasie an.



Der Papillon Tabouret ist „Reduziert auf das Wesentliche“ – wie habt ihr das erreicht?
Lorenz: Der Hocker besteht aus zwei Teilen, die sich ineinander verkeilen. Flach lagerbar, ohne zusätzliche Verschraubung. Die technische Umsetzung – vor allem bei Gehrung und Verbindung – war komplex, aber nach außen wirkt alles klar und selbstverständlich. Gerade Linien, kein Schnickschnack. Diese Reduktion prägt auch viele unserer anderen Projekte.
Was bedeutet der Future Forward Award für euch?
David: Er war eine Bestätigung. Man weiß nie, wie ein neues Produkt aufgenommen wird. Der Award hat uns Rückenwind gegeben – und Mut, weiterzugehen.
Ihr seid erstmals auf der BLICKFANG. Was erwartet die Besucher:innen?
Lorenz: Offenheit. Präsenz. Zwei Menschen, die hinter ihrem Produkt stehen. Für mich ist es die erste Messe – das wird intensiv, aber genau darauf freue ich mich: auf Gespräche mit Menschen, die Design und Handwerk wertschätzen. Wir wollten es mit LUHA.WOOD ganz oder gar nicht machen. Jetzt passt der Moment.


Was müsste sich ändern, damit nachhaltige Möbel Standard werden?
David: Mehr Transparenz – wie bei Lebensmitteln. Klare Angaben zu Herkunft und Verarbeitung. Und ein Umdenken weg von Wegwerf-Möbeln hin zu langlebigen Stücken.
Lorenz: Und strengere Kontrollen bei Labels wie „Swiss Made“. Wer Nachhaltigkeit wirklich lebt, sollte geschützt werden. Wenn wir wieder regionaler und bewusster denken, wäre viel gewonnen.
Wenn du Holz nicht nur sehen, sondern spüren willst, dann besuche LUHA.WOOD auf der BLICKFANG Basel. Erlebe die Materialien, stell Fragen, bleib stehen. Vielleicht beginnt genau dort die Geschichte deines nächsten Möbelstücks.
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