Handgefertigtes Licht aus Blumen und Orangenschalen: Wie Jasna Studio nachhaltiges Lichtdesign neu denkt

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Michaela von Jasna Studio

Wenn man zum ersten Mal die Arbeiten von Jasna Studio betrachtet, wird man sofort von dem feinen Zusammenspiel aus Licht und Natur angezogen. Jede Leuchte wirkt wie ein kleines Universum, eingefangen in zarten, transluzenten Materialien, durchzogen von Blüten, Blättern und sogar Orangenschalen. Das in Prag ansässige Studio verbindet Handwerk, Nachhaltigkeit und einen leisen, zugleich tief emotionalen Zugang zu Design.

Michaela, der kreative Kopf hinter Jasna Studio, schafft Objekte, die weit mehr sind als Lichtquellen: Es sind meditative Erlebnisse, in denen Licht, Duft und Textur zu intimen Atmosphären verschmelzen. Im Vorfeld der BLICKFANG Stuttgart haben wir mit ihr über die Anfänge, den Prozess und die Philosophie hinter ihren leuchtenden Kreationen gesprochen.

Wann wusstest du, dass der richtige Moment gekommen war, dein eigenes Label und Studio zu gründen?

„Vor etwa fünf Jahren. Ich habe Glas an der Akademie für Kunst, Architektur und Design in Prag studiert, mich aber schon während des Studiums auf Licht konzentriert und Leuchten für Architekturbüros sowie kleinere eigene Kollektionen entwickelt. Die Glasindustrie fühlte sich sehr abhängig und einschränkend an, ich wollte mehr Freiheit und Unabhängigkeit in Material und Prozess. Also gründete ich Jasna Studio.

Am Anfang war es vor allem die Freude am Machen, besonders während der Corona-Zeit, als ich mit DIY-Lampen-Kits begann. Nach zwei Jahren wurde es mein Vollzeitjob. Seitdem habe ich meine eigenen Materialien weiterentwickelt, baue Pflanzen selbst an und produziere mein eigenes biobasiertes Papier, das heute einen großen Teil meiner Kollektionen ausmacht.“

Wie hat dein Hintergrund im Glas und deine internationale Erfahrung deine heutige Arbeit geprägt?

„Obwohl ich Glas studiert habe, umfasste mein Studium auch Kunstgeschichte und Design. Jeder Ort, an dem ich gelernt habe – Prag, Barcelona, Jerusalem – war wie ein Puzzleteil, das meine heutige Arbeit geprägt hat. Meine Eltern waren ebenfalls Kunsthandwerker: mein Vater Metallschmied, meine Mutter Goldschmiedin. Ich bin also mit Handwerk und Kunst aufgewachsen und habe dieses Gespür von Anfang an mitbekommen. All diese Erfahrungen beeinflussen, wie ich heute an Material, Prozess und Design herangehe.“

Deine Leuchten tragen Teile der Natur in sich – Blätter, Blumen, Tannennadeln, Orangenschalen. Wie beeinflusst die Arbeit mit fragilen, organischen Materialien dein Design?

„Es ist ein sehr praktischer Prozess. Ich bin Designerin und Handwerkerin zugleich, teste Ideen und fertige Muster an. Manchmal verhält sich ein Material anders als erwartet, dann entsteht eine Art Zusammenarbeit zwischen Designerin und Handwerk.

Die Formen selbst inspirieren mich – manche erinnern an Unterwasserwesen, andere greifen natürliche Strukturen auf. Ich kultiviere auch meinen eigenen Garten und arbeite eng mit den Blumen und Materialien. Diese Verbindung zur Natur ist meditativ und in jedes Stück tief integriert.“

Was reizt dich an Materialien, die andere vielleicht als Abfall betrachten, wie Orangenschalen?

„Zunächst einmal sind da die Farben – wunderschön. Das Licht scheint wie durch einen natürlichen Filter hindurch. Auch der Duft ist besonders; das Studio ist erfüllt davon, während wir arbeiten. Es geht aber auch darum, Materialien, die sonst verschwinden würden, ein neues Leben zu geben. In gewisser Weise halten wir die Zeit an und schaffen etwas Sinnvolles aus dem, was bereits da ist. Dieses Konzept fühlt sich für mich ganz natürlich und nachhaltig an.“

Wie funktioniert dein Produktionsprozess, wenn du Leuchten aus Orangenschalen herstellst? Kannst du uns den Weg vom Schalenstück bis zum fertigen Objekt beschreiben?

„Ich sammle die Orangenschalen frisch und friere sie bei Bedarf ein. Ich vermeide es, sie zu trocknen, da sie sonst Farbe und Duft verlieren. Sobald ich genug gesammelt habe, beginne ich mit der Herstellung von Platten.

Manchmal bekomme ich Schalen von lokalen Geschäften, die sie sonst wegwerfen würden. Mit eigenen Werkzeugen und 3D-gedruckten Formen bringe ich die Platten dann in die jeweilige Leuchtenform. Manche Lampen bestehen aus zwei, drei oder fünf miteinander verklebten Schichten.

Es ist eine Mischung aus Handwerk und Hightech-Innovation – ich nenne es ‚Hightech-Origami‘ – die es ermöglicht, nahezu abfallfrei und zugleich mit präzisen, einzigartigen Formen zu arbeiten.“

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Jasna Studio?

„Es geht um Verantwortung als Designerin. Ich versuche, Werkzeuge und Objekte zu schaffen, die langlebig sind, Einwegprodukte zu vermeiden und Materialien bewusst zu wählen. Manche Komponenten wie elektrische Teile können nicht organisch sein, aber wo immer möglich, integriere ich Natur in den Prozess.

Nachhaltigkeit bedeutet für mich funktionales, emotionales und verantwortungsvolles Design über den gesamten Lebenszyklus einer Leuchte hinweg.“

Deine Kollektionen sind bewusst limitiert. Warum?

„Limitierte Editionen schaffen Einzigartigkeit. Jede Serie umfasst nur wenige Stücke, oft geprägt durch die Materialien selbst, die natürlich variieren. Manche Blumen blühen nur einmal im Jahr und setzen damit natürliche Grenzen.

Mein Studio ist klein, und ich bevorzuge bedeutungsvolle Objekte statt Massenproduktion. Außerdem gestalte ich individuelle Leuchten, bei denen ich etwa die Blumen meiner Kund:innen – zum Beispiel aus Hochzeiten – in Lampen verwandle. So entsteht ein persönliches, erinnerungsreiches Objekt.“

Wie gehst du an die Gestaltung von Licht für konkrete Räume wie Restaurants oder Wohnungen heran?

„Ich besuche immer zuerst den Ort. Manchmal befindet er sich noch im Umbau, manchmal haben die Kund:innen bereits klare Vorstellungen. Ich konzentriere mich auf emotionales, atmosphärisches Licht und berücksichtige gleichzeitig funktionale Anforderungen.

Schaufenster sind wieder anders – sie müssen Aufmerksamkeit erzeugen. Ich mag es, Menschen in ihren Räumen zu begegnen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und maßgeschneiderte Installationen zu entwickeln, die emotional berühren.“

Worauf sollten Besucher:innen an deinem Stand bei der BLICKFANG besonders achten?

„Sie können die Lampen berühren, riechen und Fragen stellen – ich teile den Prozess sehr gerne. Der Duft überrascht viele, weil er mehr Sinne anspricht als nur das Sehen.

In diesem Jahr präsentieren wir die neue ‚Orange Drop‘-Kollektion, die speziell für die BLICKFANG entworfen wurde. Besucher:innen fragen oft, wie viele Orangen nötig sind oder wie lange der Prozess dauert. Daraus entstehen spannende Gespräche über Design, Materialien und Kreativität.“

Wenn Besucher:innen deinen Stand mit nur einer Erinnerung verlassen, welche sollte das sein?

„Viele sind überrascht und inspiriert – ‚Wow, das ist aus Orangen gemacht?‘ Ich hoffe, sie nehmen mit, dass Design nachhaltig, emotional und persönlich sein kann.

Dass sie Lust bekommen, mit unterschiedlichen Materialien zu experimentieren und darüber nachzudenken, wie Licht und Objekte einen Raum auf einzigartige und bewusste Weise prägen können.“

Wenn du die Leuchten von Jasna Studio aus nächster Nähe erleben – und vielleicht sogar ihren feinen natürlichen Duft wahrnehmen – möchtest, besuche die BLICKFANG Stuttgart und triff Michaela persönlich vor Ort. Tickets gibt es hier.

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