MosettigLicht: Wie aus einem Wiener Schmuckatelier eine Leuchten-Manufaktur in Vorarlberg wurde – und warum „viel Licht, wenig Schatten“ mehr als ein Spruch ist

Manchmal beginnt eine Designgeschichte nicht mit einem Businessplan, sondern mit einem Moment, in dem plötzlich klar wird: Das darf nicht verschwinden. Als Gert Mosettig – Schmuckkünstler, Aluminium-Pionier, in Sammlungen bis nach Dallas vertreten – krankheitsbedingt nicht mehr weiterarbeiten konnte, standen seine Leuchten wie stille Zeugen einer Vision im Raum: indirektes Licht als Objekt, reduziert, präzise, beinahe grafisch.
Heute tragen Lilo Mosettig-Astner und Kiki Astner diese Idee weiter. Die eine mit journalistischem Blick und Interior-Erfahrung, die andere geprägt von der Design Academy Eindhoven und einem wachen Gespür für Nachhaltigkeit. Gemeinsam bauen sie MosettigLicht neu auf – mit Manufakturanspruch, ohne Schattenproduktion und mit einer Ruhe im Design, die man in Zeiten von Overdesign fast vermisst.

Ein Familienimpuls, kein kalkulierter Launch
Es klingt nach einem Satz aus einer Erfolgsstory – aber hier ist er wörtlich gemeint: „Dass wir dieses Produkt gestartet haben, ist Zufall gewesen“, sagt Lilo Mosettig-Astner. Ausgelöst durch eine Zäsur in der Familie: Ihr Halbbruder Gert erkrankte schwer. Was blieb, war nicht nur ein Werk, sondern auch eine Verantwortung – für Leuchten, die eigenständig sind und zugleich erstaunlich zeitlos wirken.
Die Entscheidung, das Projekt weiterzutragen, war kein nostalgisches „Zurück“, sondern ein Transfer: von einem künstlerischen Ursprung in eine heutige Produktionsrealität. Und plötzlich fügten sich die Stationen zusammen, als wären sie genau dafür gesammelt worden: journalistisches Erzählen, Interior-Kompetenz, Designverständnis, Kontakte. „Alle diese Stationen haben sich jetzt in dieser neuen Funktion irgendwie zusammengefügt“, sagt Lilo. Nichts war umsonst – alles wird Material.


Der schwierigste Teil: nicht das Design, sondern das Dazwischen
Die äußere Form sollte bleiben. Das war gesetzt. „Formal ändern wir am Design so wenig wie möglich“ sagt Lilo – und doch begann genau dort die eigentliche Arbeit. Denn das Herz musste neu gedacht werden: moderne LED-Technik statt Halogen, Serienreife statt Einzelstücklogik, Zertifizierung statt Atelierfreiheit.
Die Herausforderung lag nicht im Offensichtlichen. Aluminiumformen findet man. Elektrotechnik auch. Aber das Dazwischen – das präzise Zusammenspiel aller Komponenten, das saubere Assemblieren, die Qualität, die sich erst in der Hand zeigt – wurde zur größten Hürde. „Das war die große Challenge“, sagt Lilo.
Der erste Impuls: Produktion in Wien. Es klappte nicht. Und dann geschah wieder dieser mosettig-typische „Zufall“: In Vorarlberg fanden sie über einen Lichtplaner eine Konstellation, die passte – Handwerk, Know-how, Wille zur Präzision. „Und so hat sich plötzlich alles zusammengefügt. Was daraus folgte, ist eine klare Positionierung: kein schneller Markteintritt, keine laute Geste. „Wir wollen kein Massenprodukt schaffen“, sagt Lilo – auch nicht preislich. Nicht aus Abgrenzung, sondern weil die Leuchte sonst ihren Kern verlieren würde: jene stille Präzision, die aus einem Objekt ein Designstatement macht.
„Viel Licht, wenig Schatten“ – und das meint auch die Lieferkette
Der Satz fällt früh – und bleibt hängen: „Viel Licht und wenig Schatten.“ Er klingt wie eine poetische Beschreibung von indirekter Beleuchtung. Ist aber auch ein Versprechen. „Der Schatten ist im weitesten Sinn gedacht“, erklärt Lilo, „auch im Sinn von Produktion.“ Keine Schattenproduktion, keine unklare Herkunft.
An dieser Stelle wird Kiki Astners Perspektive zentral. Geprägt von der Design Academy Eindhoven, denkt sie Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als Basis. Als sie bei MosettigLicht einstieg, begann sie zu rechnen, zu recherchieren, den Radius zu verkleinern: Materialien, Wege, Prozesse. Der Kern der Produktion spielt sich nun innerhalb von 50 Kilometern ab. Nur die LED-Platinen kommen aus Deutschland (Bebra) – ein realistisches Detail, das Vertrauen schafft, weil es nicht beschönigt.
So wird der Spruch zu einer Haltung: Transparenz nicht als Storytelling, sondern als Struktur.

Die unsichtbare Präzision: Oberfläche, Rahmen, Reparierbarkeit
Was man an den Leuchten sieht, ist Reduktion. Was man nicht sieht, ist Arbeit. Das, was Gert Mosettig einst per Hand fertigte, waren Einzelstücke – in dieser Konsequenz nicht industriell reproduzierbar, ohne dass es unbezahlbar würde. Genau deshalb musste das Projekt eine Übersetzung werden: die Idee bewahren, die Technik modernisieren, die Anmutung halten.
Lilo wird bei den Details fast zärtlich präzise. Die Oberfläche sollte nicht glamourös glänzen, sondern eine matte, gebürstete Ruhe haben. Dazu kamen Feinheiten, die kaum jemand benennt, aber jede:r spürt: ein Rahmen, „ein Hauch“, eine Plexiglasplatte, die die Platine verdeckt – und zugleich so gelöst ist, dass man diese später öffnen kann. Reparierbarkeit ist hier kein Marketingwort, sondern Konstruktion.
Und dann ist da die Zusammenarbeit mit einem Produzenten, der ursprünglich aus der Welt der Signalleuchten kommt. Die Kluft zwischen „Fließband-Signaltechnik“ und künstlerischem Designobjekt war anfangs spürbar – bis alle verstanden, warum es auf Millimeter, Ausschnitte, Schwenkmechaniken ankommt. Heute steckt in der Leuchte nicht nur Gestaltung, sondern auch gemeinsames Lernen.
Zwei Jahre bis zur Serienreife – und ein Launch mit Geduld
Der Zeitstrahl ist bemerkenswert ehrlich: Soft Launch Ende 2024, Prototypen in der Öffentlichkeit, dann die lange Phase bis zur Serienreife. Vor kurzem kam die Zertifizierung – und damit das Gefühl, dass das Produkt jetzt dort ist, wo es sein soll: stabil, sauber, bereit.
MosettigLicht ist keine Marke, die laut wird. Sie arbeitet über Haltung, Material und Details, die man erst wahrnimmt, wenn man davorsteht. Vielleicht ist das ihre größte Qualität: dass sie nicht versucht, schneller zu sein als der Prozess.
„Viel Licht, wenig Schatten“ bleibt dabei mehr als eine schöne Zeile. Es ist ein Versprechen an Herkunft und Handwerk – und an jene Kund:innen, die nicht nur nach einer Leuchte suchen, sondern nach einem Objekt, das eine Geschichte trägt. In Basel wird man diese Geschichte nicht nur sehen, sondern auch spüren: als Licht, das nicht blendet, sondern bleibt. Jetzt Tickets sichern!