Circular Design aus Wien: Wie ante up mit modularen Möbeln und radikaler Reduktion neue Maßstäbe setzt

Ein heller Raum, große Tische, Papiermodelle neben Stahlmustern, Skizzen auf Post-its, daneben eine kleine Werkstatt, in der es nach Holz und Metall riecht. Bei ante up in Wien entstehen Möbel und Objekte nicht als schnelle Entwürfe, sondern als Systeme – durchdacht von der ersten Idee bis zum letzten Schraubgewinde.
Mit ihrem zirkulären Ansatz haben Benedikt und Hauke die BLICKFANG-Jury überzeugt und wurden mit dem Future Forward Award der BLICKFANG Stuttgart ausgezeichnet. Auf der Messe wollen sie nicht nur zeigen, was sie entwerfen – sondern ins Gespräch kommen. Zuhören. Weiterdenken.
Ein Gespräch über Kreisläufe, Teamarbeit und darüber, warum gutes Design manchmal damit beginnt, etwas wegzulassen.

©Eva Kelety
Wie habt ihr zueinandergefunden – und wann war klar, dass ihr gemeinsam ante up gründen wollt?
Benedikt: „Wir haben uns tatsächlich ganz klassisch über die Arbeit kennengelernt, bei einem Praktikum in Wien. Schon in den ersten Gesprächen haben wir gemerkt, dass wir ähnliche Fragen stellen: nicht nur, wie etwas aussieht, sondern warum es überhaupt existiert und was danach damit passiert.“
Hauke: „Wir haben dann schnell angefangen, gemeinsam Projekte umzusetzen und festgestellt, wie gut sich unsere Denkweisen ergänzen. Zu zweit wird jeder Entwurf automatisch reflektierter, weil man ihn ständig diskutiert. Irgendwann war klar: Wenn wir wirklich so arbeiten wollen, wie wir uns das vorstellen, dann brauchen wir ein eigenes Studio.“


„Everything stays in circulation and nothing loses its meaning“ – wie übersetzt sich dieser Anspruch ganz konkret in eure tägliche Designpraxis?
Hauke: „Wir versuchen, das Thema wirklich bei jedem Projekt mitzudenken – vor allem im B2B-Bereich. Zum Beispiel bei Installationen aus Edelstahl, wo das Material wieder komplett in den Kreislauf zurückgeführt werden kann. Oder bei Sitzmöbeln aus Holz, die hier in Österreich gefertigt werden. Und wenn wir Klebstoffe einsetzen, dann biologisch abbaubare. Unsere Produkte sind grundsätzlich so konstruiert, dass man sie auseinandernehmen kann.
Bei unserer eigenen Möbelkollektion gehen wir noch weiter: Wir denken die Teile als System. Man kann sie umbauen, weiterverwenden, an neue Bedürfnisse anpassen. Ein Regal kann später ein Tisch werden. So bleibt nichts überflüssig.“



Euer Name „ante up“ verweist auf den Leitsatz „raise the stakes in advance“. Wofür steht das für euch?
Hauke: „Wir fanden den Gedanken schön, den Einsatz von Anfang an zu erhöhen, also direkt mit einem hohen Anspruch zu starten. Das passt zu unserem zirkulären Ansatz. Wir wollen nicht später nachbessern, sondern von Beginn an besser designen.
Der Name hat eine zeitliche und eine räumliche Komponente: ‚Ante‘ steht für alles, was vor dem Produkt passiert, wie Recherche, Materialwahl, Konstruktion. ‚Up‘ beschreibt die Richtung nach vorne, also wie sich ein Objekt über Jahre weiterentwickelt und genutzt wird. Diese beiden Dimensionen – Vorbereitung und Zukunft – denken wir bei jedem Entwurf mit.“

Eure Möbel wirken sehr reduziert und klar. Entsteht diese Ästhetik bewusst oder ist sie eine Folge eures zirkulären Ansatzes?
Benedikt: „Das ist weniger eine Stilfrage als eine logische Konsequenz. Wenn man versucht, Material zu sparen und Konstruktionen zu vereinfachen, landet man automatisch bei klaren Formen.“
Hauke: „Viele gestalterische Entscheidungen ergeben sich aus funktionalen Überlegungen: Wie können wir mit möglichst wenig Teilen auskommen? Wie vermeiden wir Verschnitt? Wie bleibt etwas reparierbar? Diese Einschränkungen führen fast von selbst zu einer reduzierten, zeitlosen Gestaltung.“
Ihr arbeitet viel digital mit CAD und 3D-Renderings, baut aber gleichzeitig schnell Prototypen. Wie greifen digitale Tools und eure Werkstatt im Alltag ineinander – und wann müsst ihr ein Objekt wirklich physisch vor euch haben?
Benedikt: „Digital können wir unglaublich schnell arbeiten. Wir spielen Varianten durch, testen Proportionen oder Details und treffen viele Entscheidungen, bevor überhaupt Material zum Einsatz kommt. Das ist für uns auch eine Frage der Ressourcenschonung – wir wollen ja nicht für jede Idee sofort etwas produzieren müssen.“
Hauke: „Aber irgendwann reicht der Bildschirm einfach nicht mehr. Sobald es um Haptik, Gewicht oder Ergonomie geht, muss man ein Objekt in der Hand halten oder sich draufsetzen. Dann bauen wir ganz einfache Modelle aus Papier, Karton oder Holz. Erst in diesem Maßstab merkt man wirklich, ob etwas funktioniert. Dabei spielt unsere eigene Werkstatt eine zentrale Rolle. Wir können direkt vom Schreibtisch an die Werkbank wechseln und Dinge sofort ausprobieren. Dieses schnelle Hin und Her zwischen digitalem Entwurf und physischem Test macht den Prozess viel direkter.“
Mit REAL STAGE habt ihr ein sehr prägnantes Regalsystem entwickelt. Was war euch dabei besonders wichtig?
Hauke: „Uns hat gereizt, mit massivem Stahl zu arbeiten und trotzdem etwas Leichtes zu schaffen. Es sollte kein lautes Statement sein, sondern ein Möbel, das lange bleibt und sich selbstverständlich in unterschiedliche Räume einfügt. Die Form entsteht im Grunde durch Faltungen und schräge Kanten. Dadurch sparen wir Material und bekommen gleichzeitig Stabilität. “
Benedikt: „Das Regal wird flach verpackt, lässt sich leicht transportieren und schnell montieren. Für uns ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Funktion, Materialeffizienz und Gestaltung zusammenkommen können.“
Auf der BLICKFANG in Stuttgart kannst du Benedikt und Hauke persönlich treffen und ihr Label ante up kennenlernen.
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