haptik – Dinge, die bleiben

AllgemeinInterviews
Kathrin und Thorsten Held von haptik

Es beginnt nicht mit einem klaren Moment, sondern mit einer Entwicklung. Reisen, Eindrücke, das wiederkehrende Gefühl, sich in bestimmten Räumen besonders wohlzufühlen. Und die Idee, genau daraus etwas Eigenes entstehen zu lassen.

Mit haptik haben Kathrin und Thorsten Held einen Ort geschaffen, der aus dieser Erfahrung heraus entstanden ist. Eine Galerie in Flensburg, untergebracht in einem historischen Kaufmannshof, und zugleich eine Plattform für handwerklich gefertigte Gebrauchskunst. Im Mittelpunkt stehen Objekte, die nicht nur betrachtet werden, sondern im Alltag bestehen.

Gab es einen konkreten Moment oder eine Begegnung, in der ihr gemerkt habt: Daraus könnte haptik entstehen?

„Thorsten Held: Die Idee ist über die Jahre gewachsen, vor allem auf Reisen, auf denen wir uns immer stärker für Kunsthandwerk und Objekte der Gebrauchskunst interessiert haben. 2022 haben wir in Flensburg einen alten Kaufmannshof übernommen und dort haptik aufgebaut. Seit März 2024 ist die Galerie eröffnet, vor Ort und online.“

Was hat euch an handwerklicher Gebrauchskunst so gepackt, dass ihr ihr einen eigenen Raum geben wolltet?

„Kathrin Held: Es ist einfach eine Freude, diese Dinge wirklich zu benutzen. Im Alltag, eine Tasse oder eine Vase. Dass man sagen kann, dieses Stück habe ich von einer besonderen Begegnung, es berührt mich und es ist schön. Das ist eine Erfahrung, die wir gemacht haben und die wir weitergeben möchten.“

„Thorsten: Wir möchten das, was wir erleben, weitergeben. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es nicht immer einfach ist, solche Objekte zu finden. Es gibt sie auf Märkten oder Messen, aber nicht jeder hat dafür eine Affinität. Wir wollten deshalb eine Galerie schaffen, in der sich alles um diese Dinge dreht und sie sichtbarer werden. Auch für Menschen, die vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie sich dafür interessieren. Und das erleben wir häufig, dass jemand ein Objekt sieht und sich sofort darin wiederfindet. Dabei geht es nicht nur um den materiellen Wert, sondern auch um den emotionalen. Das finden wir besonders spannend.“

Wenn ihr auf eure Gespräche mit Produzentinnen und Produzenten schaut, was bleibt euch besonders hängen?

Kathrin: Die Leidenschaft. Das sind Menschen, die ihr Handwerk nicht nur können, sondern mit Begeisterung ausüben. Sie haben das lange gelernt, geübt und eine Ausbildung durchlaufen und sagen auch heute noch, das ist das, was sie tun wollen.

Was uns besonders beeindruckt, ist, dass die Dinge von der Person selbst gefertigt werden. Natürlich mit Hilfsmitteln, aber es ist immer die Person, die dahintersteht. Diese Begeisterung ist spürbar.“

Woran erkennt ihr ein Objekt, das zu haptik passt, auch jenseits von Material oder Funktion?

„Thorsten: Entscheidend ist zuerst eine starke, unmittelbare Reaktion: Das Objekt muss uns wirklich begeistern. Fast genauso wichtig ist aber der persönliche Austausch mit den Gestalterinnen und Gestaltern. Bei haptik kommt zusammen, was auch menschlich passt. Und oft sind es genau die Objekte von diesen Menschen, die wir „notfalls“ selbst behalten würden.“

Wo wird euer Anspruch an Nachhaltigkeit in der Zusammenarbeit konkret?

„Kathrin: Nachhaltigkeit ist ein großes Wort. Für uns sind das keine Dinge, die man kurzfristig kauft und wieder ersetzt. Es sind Objekte, die bleiben und mit denen man sich verbindet. Man kauft nicht ständig neu, sondern entscheidet sich bewusst für etwas.“

„Thorsten: Es geht nicht um schnelle Konsumzyklen, sondern um Dinge, die man lange nutzen kann. Viele kommen wieder und sagen, wie viel Freude sie daran haben und dass sie sie häufig benutzen oder auch weitergeben.“

„Kathrin: Wir fordern keine Nachweise von den Produzenten und Designlabels, aber wir sehen, dass sehr bewusst mit Materialien umgegangen wird. Es wird nichts leichtfertig weggeworfen, vieles wird wiederverwendet.“

„Thorsten: Auch beim Versand achten wir darauf. Wir arbeiten komplett plastikfrei und versuchen, den gesamten Prozess so umzusetzen, dass er zu dem passt, was wir zeigen.“

Wie verändert sich euer Blick auf Handwerk, wenn ihr mit unterschiedlichen regionalen und internationalen Positionen arbeitet?

„Thorsten: Wir erleben sehr unterschiedliche Herangehensweisen. In Europa dauert es einige Wochen, bis etwas fertig ist. In Japan kann es deutlich länger dauern. Dort gibt es eine andere Form von Ruhe und Langfristigkeit. Das ist für viele zunächst ungewohnt, aber für Menschen, die sich mit Handwerk beschäftigen, ist es selbstverständlich.“

„Kathrin: Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung ist unterschiedlich. Wenn man in Japan sagt, man ist Keramiker, dann ist das mit Respekt verbunden. In Deutschland wird häufig gefragt, ob man davon leben kann. Diese Haltung würden wir gerne verändern.“

Woher kommt eure persönliche Faszination für Japan, und welchen Stellenwert hat traditionelles Handwerk dort im Vergleich zu Europa?

„Kathrin: Wir waren beruflich viel in Asien unterwegs und hatten immer die Idee, auch privat dorthin zu reisen. Uns hat fasziniert, wie dort gelebt wird und insbesondere, wie Handwerk dort gelebt wird. Das hat sich für uns bestätigt.“

„Thorsten: Gleichzeitig hilft uns das Thema Japan auch dabei, Aufmerksamkeit zu bekommen. Viele kommen wegen japanischer Keramik zu uns und entdecken darüber auch Arbeiten von zum Beispiel europäischen Künstlerinnen. So können wir mehr über das erzählen, was wir insgesamt machen.“

Wie nah seid ihr tatsächlich an den Herstellungsprozessen der Dinge, die ihr zeigt?

„Kathrin: Der erste Schritt ist häufig ein Austausch, oft digital. Man spricht miteinander, schaut sich Arbeiten an und lernt sich kennen. Wir sind da sehr offen und neugierig.“

„Thorsten: Und wenn es möglich ist, schauen wir uns die Prozesse auch vor Ort an. Wir möchten verstehen, wie gearbeitet wird. Gleichzeitig greifen wir nicht in den kreativen Prozess ein. Wir wählen aus, aber die Handschrift bleibt bei den Künstlerinnen und Künstlern.“

Wenn ihr an die kommende BLICKFANG Hamburg denkt, worauf seid ihr am neugierigsten?

„Kathrin: Auf die Reaktionen der Menschen. Wir freuen uns darauf, unsere Sachen zu präsentieren und sind gespannt, wie die Resonanz ist.“

Wenn du die Objekte von haptik aus nächster Nähe erleben und ihre Materialität selbst erfahren möchtest, besuche die BLICKFANG Hamburg und triff Kathrin und Thorsten persönlich vor Ort. Tickets gibt es hier.

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