Form die bleibt: ein Gespräch mit Björn Schirmacher

AllgemeinInterviews
Porträt von  Björn Schirmacher

Zwischen Werkstatt und Wohnraum entsteht bei Björn Schirmacher mehr als ein Möbelstück. Jeder Entwurf beginnt mit einem Annähern – an Räume, an Gewohnheiten, an Menschen. Und doch bleibt bis zuletzt ein Moment der Neugierde. Ob ein Stück wirklich trägt, zeigt sich erst dort, wo es seinen Platz findet: im Alltag.

Du sagst, das Wichtigste ist am Ende das „gute Gefühl“ des Kunden. Woran merkst du während der Arbeit, dass ein Möbelstück dieses Ziel erreichen wird?

„Das ist eine schwierige Frage. Letzten Endes brauche ich immer die Bestätigung des Kunden. Es ist bis zum letzten Punkt spannend. Ich denke während der Arbeit nicht: Das wird klar funktionieren. Ich denke eher: Das kann gut werden. Aber die Bestätigung kommt erst, wenn das Möbel beim Kunden steht. Wenn dann jemand sagt, er freut sich, die Rechnung zu begleichen, weil es so gut geworden ist, dann weiß ich, dass es angekommen ist.“

Deine Entwürfe sind oft sehr schlicht. Warum ist es dir so wichtig, dass die Möbel dem Nutzer Raum für eigene Fantasien lassen?

„Ich versuche Möbel so zu gestalten, dass sie sich mit dem Kunden im Leben entwickeln. Sie sollen ein begleitendes Stück sein. Die Menschen bringen ohnehin Unruhe in Räume, lassen Dinge liegen, verändern ständig etwas. Deshalb sollte das Möbel in der Formsprache reduziert sein. Es soll sich integrieren und zur Wohnlichkeit beitragen, ohne sich aufzudrängen.“

Wie schaffst du es, Möbel zu bauen, die auch in vielen Jahren noch modern wirken und nicht nur einem Trend folgen?

„Trends sind immer Phasen. Wenn man sich die Epochen anschaut, hat sich Gestaltung ständig verändert. Ich glaube, durch die Reduktion der Formsprache kann man eine gestalterische Langlebigkeit erreichen. Wenn ein Möbel nicht überladen ist, wirkt es auch nach vielen Jahren noch stimmig. Dazu kommt die Qualität – es muss auch halten.“

Bei dir „schreiben die Kunden die Geschichte mit“. Wie viel von deiner eigenen Handschrift steckt am Ende in einem Möbel, das nach Kundenwunsch entsteht?

„„Beides spielt eine Rolle. Ich frage zuerst: Was soll das Möbel können? Welche Funktion sollte es haben? Die Kunden kommen oft mit konkreten Vorstellungen, die ich aufnehme. Gleichzeitig lasse ich meine eigenen Gedanken einfließen. Am Ende entsteht etwas, in dem beides steckt. Und ich glaube, meine Formsprache erkennt man trotzdem immer wieder.“

Du betonst, dass Kommunikation zum Handwerk gehört. Warum ist das tiefe Verständnis für den Kunden für dich genauso wichtig wie die Arbeit mit dem Holz?

„Ein Möbel zu bauen ist etwas Intimes. Deshalb versuche ich, die Menschen zu verstehen – wie sie leben, wie sie eingerichtet sind. Das ist manchmal auch eine Herausforderung. Ich sitze dann an einer Skizze und frage mich: Habe ich diese Menschen richtig verstanden? Das begleitet den ganzen Entwurfsprozess.“

Für den „Stuhl Bjørn“ gab es viele Varianten. Warum war dir dieser lange Weg so wichtig, um die Essenz guter Gestaltung zu finden?

„Am Anfang stand ein einfaches Modell aus Spanplatten. Mir ging es zuerst um das Sitzen, um die Proportionen. Dann kam die Gestaltung. Ich habe viele Varianten gebaut und immer wieder angepasst, teilweise nur um wenige Millimeter. Das hat mehrere Jahre gedauert. Aber ich wollte etwas entwickeln, das wirklich funktioniert und für Menschen eine Bereicherung ist.“

Du nutzt moderne Computer-Bilder für die Planung. Wie hilft dir diese Technik dabei, deine traditionelle Handwerksarbeit besser zu machen?

„Ich arbeite gemischt. Viel beginnt auf Papier. Wenn es konkreter wird, arbeite ich mit AutoCAD für die technischen Zeichnungen. Für die Fertigung ist das sehr hilfreich. Bei Präsentationen nutze ich manchmal Renderings. Aber fotorealistische Bilder können den Kunden auch einschränken – dann ist schon alles festgelegt. Ich lasse lieber noch Raum für eigene Vorstellungen.“

Du arbeitest mit höchster Genauigkeit. Wo liegt für dich die Grenze zwischen perfekter Verarbeitung und der natürlichen Lebendigkeit des Holzes?

„Die Qualität muss perfekt sein. Aber gestalterisch darf es nicht zu perfekt sein. Das Unperfekte erzeugt Spannung. Ein Möbel sollte authentisch bleiben und etwas haben, das den Blick anzieht.“

Deine Möbel sollen eine „zurückhaltende Präsenz“ haben. Wie entwirfst du ein Stück, das zwar Charakter zeigt, aber den Raum nicht dominiert?

„Ich schaue mir die Räume an und versuche, den Stil zu verstehen. Dann überlege ich, welche Funktion das Möbel erfüllen muss. Daraus entstehen die Proportionen und die Form. Die eigene Handschrift entwickelt sich dabei automatisch.“

Du bist eher in die Selbstständigkeit hineingewachsen. Was hat sich in dieser Zeit an deinem Verständnis von „gutem Stil“ am meisten verändert?

„Fertigungstechnisch hat sich viel entwickelt. Heute kann ich ganz anders arbeiten als am Anfang. Gestalterisch empfinde ich manches heute als sehr radikal. Mir fehlt da manchmal die Wärme. Aber das ist individuell – jeder empfindet Gestaltung anders.“

Björn kannst du übrigens persönlich an der BLICKFANG in Hamburg kennenlernen, noch mehr über ihre Geschichte und ihre Produkte erfahren und diese natürlich direkt kaufen. Hier geht es direkt zu den den Tickets!

Lust noch mehr Labels besser kennenzulernen? Dann schau jetzt in unserem Journal vorbei und lass dich inspirieren!

Consent Management Platform von Real Cookie Banner