Mit Geduld zur Form: Johann Ahrens und Gudstav
Zwischen Stahl und Holz, zwischen Präzision und Geduld bewegt sich Johann Ahrens mit seinem Label Gudstav. Was als Suche nach einer skalierbaren, aber persönlichen Marke begann, ist heute ein eigenständiges Studio, in der handwerkliche Konsequenz, Materialnähe und ein hoher Qualitätsanspruch zusammenfinden.
Wie ist der Name Gudstav für dein Label entstanden?
„Wenn man den Namen auf Englisch ausspricht, wird die Idee dahinter klar. Ich wollte eine Marke gründen, die skalierbar ist, aber trotzdem persönlich bleibt. Ich war vorher immer Johann Ahrens Produktdesign als Dienstleister und als Person dahinter. 2021 habe ich angefangen, eigene Produkte auf den Markt zu bringen und habe mir überlegt, wie ich das professioneller gestalten kann. Dann ist Gudstav dabei rausgekommen.“
Wie ist Gudstav als Studio entstanden und was hat dich dazu gebracht, mit Holz und Stahl zu arbeiten?
„Ich habe als Metallbauer angefangen und während meinem Praktikum gemerkt, dass ich Dinge herstellen möchte, um Probleme zu lösen. Das fing im Stahlbau an: Ich habe für einen Kunden eine Edelstahlblende gebaut und dafür Geld bekommen. Das war ein Moment, in dem klar wurde, dass ich so weiterarbeiten möchte.
Später kam dann der Designanspruch dazu. Heute ist es so, dass ich Dinge neu mache, wenn sie mir nicht gefallen. Diese Präzision und dieser eigene Anspruch sind erst mit Gudstav gekommen.
Die ersten eigenen Produkte waren gepresste und gezogene Metallschalen. Dazu sind dann die Holzobjekte gekommen als Kontrast. Holz ist eine ganz andere Arbeit. Schneiden, Schleifen, Staub, Lebendig. Das ist für mich eine sehr unmittelbare Form des Arbeitens. Ich möchte beides haben, aber mit einem klaren Fokus.“



Wie entscheidest du, wann du mit Holz und wann mit Stahl arbeitest oder beides kombinierst?
„Ich kombiniere inzwischen bewusst nicht mehr, sondern halte die Materialien getrennt. Holz und Metall stehen jeweils für sich. Bei der Garderobe sind zwar Holzstäbe dabei, aber eher als Ergänzung.
Die Schalen produziere ich in Serien, in Zehner oder Zwanzigerschritten, und fülle damit mein Sortiment wieder auf. Die Holzklötze entstehen vor allem dann, wenn ich Zeit habe, in die Werkstatt zu gehen. Das ist ein freier, sehr persönlicher Arbeitsmoment, alleine mit Musik, beim Machen.
Ich arbeite sehr haptisch und nehme kleinste Makel sofort wahr. Gerade darin liegt für mich die Qualität, wenn aus einem rohen Klotz eine glatte Oberfläche entsteht. Diese reduzierte Form und Haptik interessiert mich im Moment am meisten.“
Was bedeutet „Slow Design“ für dich ganz konkret im Alltag?
„Slow Design ist für mich die Liebe zum Detail. Ich könnte auch einen Container mit 10.000 Schalen bestellen und vertreiben. Aber ich versuche, möglichst viel im eigenen Prozess zu behalten und selbst umzusetzen.
Es geht darum, die Dinge sehr sorgfältig und bedacht klein zu halten und nicht auf große Stückzahlen zu setzen, sondern auf Qualität.“
Wie entwickelst du die Formen deiner Objekte, zum Beispiel bei den Schalen oder Holzstücken?
„Die Schalen kommen aus einem technischen Kontext. Ich habe sehr viele Laserteile gezeichnet als Metallbauer und später auch im Möbelbereich. Daraus haben sich diese gepressten und gezogenen Formen entwickelt. Das ist stark vom Produktdesign geprägt und technisch gedacht, auch wenn die Gestaltung am Ende eher weich wirkt.
Beim Holz ist der Prozess ein anderer. Ich säge, hoble, schleife und arbeite mich Schritt für Schritt vor. Das Material ist schwer, massiv und verhält sich ganz anders. Daraus entwickelt sich die Form im Arbeiten.“
Du sprichst von Objekten mit „Geschichte“. Was macht diese für dich aus?
„Jedes Produkt trägt bereits eine eigene Geschichte in sich, durch das Material, seine Herkunft und die Art, wie es verarbeitet wird. Wenn ich diese Geschichte zusätzlich persönlich erkläre und sie so sichtbar und nachvollziehbar wird, entsteht eine zusätzliche Ebene des Verständnisses, die über das Objekt hinausgeht.
Ich arbeite zum Beispiel viel mit Eiche, die Metalleinschlüsse enthält. Diese führen zu schwarzen Verfärbungen im Holz. Das ist ein Materialmerkmal, das in vielen Betrieben aussortiert wird. Mich interessiert genau diese Besonderheit.
Mir ist wichtig, dass Nutzer:innen diese Hintergründe kennen und dadurch ein tieferes Verständnis für das Stück entwickeln. Wenn sie wissen, warum ein Objekt so aussieht, wie es aussieht, können sie seine Geschichte selbst weitertragen und mit anderen teilen.“


Welche Rolle spielen regionale Materialien für deine Arbeit?
„Eine große Rolle. Ich versuche, das Holz möglichst regional zu beziehen. Beim Metall ist das schwieriger, das kommt aus großen Werken. Ich arbeite aber mit regionalen Zulieferern weiter, zum Beispiel beim Pulverbeschichten in meiner Nähe. Mir ist wichtig, dass ich weiß, wo die Materialien herkommen und dass weder Menschen noch Natur darunter leiden.“

Was bedeutet es für dich, alles von Hand zu fertigen, auch im Vergleich zur industriellen Produktion?
„Diese Schalen funktionieren im Grunde ähnlich wie ein industrielles Produkt, nur in einem kleineren Maßstab. In großen Stückzahlen würde der Prozess vergleichbar ablaufen, nur automatisiert und unpersönlich.
Der Unterschied ist, dass ich jedes Stück individuell bearbeite. Die Schalen haben kleine Abweichungen, eine bewusste Asymmetrie, eine eigene Schlagzahl und zusätzliche Bearbeitungsspuren. Das wäre industriell so nicht vorgesehen.
Bei den Holzobjekten ist der Aufwand deutlich größer. Es steckt viel Zeit in jedem Stück. Das lässt sich wirtschaftlich nur schwer abbilden, ist aber genau der Teil, in dem meine Handschrift sichtbar wird.“
Wie läuft ein typischer Herstellungsprozess bei dir ab, vom ersten Material bis zum fertigen Objekt?
„Ich lasse die Laserteile fertigen. Nach einem Konturschliff und einer Schlagzahl forme ich sie mit Hilfe meiner Presse und meinen Händen um und gebe ihnen ihren individuellen Charakter. Danach müssen sie relativ schnell zum Pulverbeschichten, damit nichts rostet.
Anschließend folgen Details wie Kennzeichnung und Verpackung, dann sind sie fertig.
Bei den Holzobjekten ist der Prozess deutlich länger. Das Holz muss zunächst trocknen. Danach säge ich, hoble, schleife und poliere. Je nach Material kann das viele Stunden oder auch Tage dauern.“
Welche Schritte im Prozess sind für dich besonders entscheidend für die Qualität eines Objekts?
„Entscheidend ist, dass das Endprodukt möglichst makellos ist. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst. Gleichzeitig gehört es dazu, dass sich Materialien wie Holz verändern. Es können Risse entstehen. Das ist Teil des Materials und gehört zum Objekt dazu.“
Wie möchtest du deine Arbeit auf der BLICKFANG zeigen, sodass auch der Prozess dahinter sichtbar wird?
„Ich zeige den Prozess nicht direkt, aber ich habe ein iPad dabei, auf dem Videos laufen. Damit lassen sich viele Fragen bereits klären. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen sich die Arbeiten zunächst in Ruhe anschauen möchten, während andere den Austausch suchen. Darauf versuche ich einzugehen. Wenn Interesse da ist, gebe ich die Objekte gerne in die Hand. So werden das Gewicht und die Qualität unmittelbar spürbar.“
Was möchtest du Besucherinnen und Besuchern der BLICKFANG Hamburg über deine Arbeit mitgeben?
„Es geht darum, dass eine Verbindung entsteht – zu mir und zu den Produkten. Und das funktioniert nur, wenn ich mich dort zeige und meine Arbeit sichtbar mache.
Auf der BLICKFANG Hamburg könnt ihr Johann persönlich kennenlernen und einen direkten Einblick in seine Arbeit und seine Produkte gewinnen.