Urban Mobility trifft Avantgarde: MVDHAM über die Neuerfindung der wetterfesten Rüstung

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Zwischen Fahrrad, Stadt und Mode entsteht mit MVDHAM ein Ansatz, der Funktionskleidung neu denkt. Das Label verbindet Naturfasern mit progressivem Design und übersetzt technische Anforderungen in eine klare, urbane Ästhetik. Im Gespräch geht es um Materialforschung, die Idee einer wetterfesten Rüstung – und darum, warum echte Funktion nicht im Widerspruch zur Form stehen muss.

Wir treffen dich in Berlin-Mitte, zwischen dem Trubel des Velo Festivals und der Eröffnung deines neuen Stores in der Mulackstraße. MVDHAM wirkt in der Welt der klassischen Funktionskleidung fast wie ein Antagonist. Wie definierst du diese Nische?

MVDHAM: Wir sind in gewisser Weise Exoten. Während die Branche oft auf synthetische Hochleistung setzt, lechzen die Menschen förmlich nach einer Symbiose aus Naturfaser und echter Funktion. Unser Ansatz ist es, technische Details für das Fahrradfahren so in die Kollektion zu integrieren, dass sie die Ästhetik nicht dominieren, sondern subtil vervollständigen. Seit wir letztes Jahr unseren Laden in dieser besonderen Design-Lage in Mitte eröffnet haben, können wir diese Philosophie noch viel besser direkt an die Kunden herantragen.

Dein Weg führte dich von der Modehochschule Pforzheim über die Avantgarde-Mode bis hin zum Kostümdesign für Netflix. Wie prägt dieser künstlerische Hintergrund die Silhouette von MVDHAM?

MVDHAM: Mein Anspruch ist es, dass jedes Design einen klaren künstlerischen Kontext hat. Inspiriert von der Antwerpener Schule und dem skandinavischen Minimalismus, verfolge ich eine progressive Schnittführung. In der Kollektion ist das Design oft ein Zitat aus der Kunstwelt – wir folgen dem Prinzip „Form follows Function“, ohne dabei die spannende Silhouette zu opfern. Es geht darum, Kleidung zu schaffen, die im urbanen Raum als modisches Statement funktioniert, aber im Kern eine technische Rüstung ist.

MVDHAM Jacke

Du hast den Begriff des „Urbanen Eskapismus“ als einen deiner Triggerpunkte genannt. War das der Funke für die Gründung des Labels?

MVDHAM: Absolut. Während meines Studiums in Pforzheim beobachtete ich diesen Megatrend: Menschen trugen High-Performance-Jacken in der Stadt, was oft zu einem bizarren ästhetischen Bruch führte – die Jack-Wolfskin-Jacke zum High Heel. Das war mein Startpunkt. Ich wollte beweisen, dass wir das Potenzial der Naturfasern erst einmal ausschöpfen müssen, bevor wir zur erdölbasierten Kunstfaser greifen. Es ist fast eine Art Materialforschung, die wir betreiben, um natürliche Funktionen in einen modernen Performance-Kontext zu übersetzen.

Ein Kernstück deiner Arbeit ist das Material „Ventile“. Wie schlägt sich ein britisches Militär-Patent aus den 1930ern heute auf dem Fahrradsattel?

MVDHAM: Ventile (oder EtaProof) ist die wetterfesteste Baumwolle, die es gibt, und hat sich über 100 Jahre bewährt. Es ist absolut winddicht, vergleichbar mit einer dreilagigen Gore-Tex-Membran, und wasserfest. Für das typische urbane Pendeln von ein bis zwei Stunden bietet diese Baumwolle einen Schutz, der jede Kunstfaser überflüssig macht. Es ist die edle, nachhaltige Alternative zu all den erdölbasierten Materialien.

Für Pendler in Städten wie Hamburg oder Berlin ist Funktionalität oft eine Frage der Geometrie. Wie radfreundlich sind deine Mäntel wirklich?

MVDHAM: Unsere Mäntel sind so konzipiert, dass sie einen extrem großen Radius bieten, den man für die Beinarbeit auf dem Bike zwingend braucht. Ein essenzieller Vorteil ist die Länge: Der Mantel ist so geschnitten, dass man im Grunde keine Regenhose mehr benötigt, da man von der Hüfte bis über die Knie geschützt ist. Und während man in Polyester-Jacken in der U-Bahn oft schwitzt, passen sich unsere Wolle-Seide-Layer thermisch an. Die Naturfasern atmen; die Wolle absorbiert Feuchtigkeit, ohne sich nass anzufühlen.

Es gibt ein „offenes Geheimnis“ bei euren Schnitten, das besonders Eltern und werdende Mütter anspricht. Was hat es damit auf sich?

MVDHAM: Das steht so noch gar nicht auf der Website, ist aber ein echter Geheimtipp: Unsere Mäntel sind so konstruiert, dass eine Babytrage perfekt darunter passt. Man kann den Reißverschluss bei Regen bis oben zuziehen, ohne extra Einsätze zu benötigen. Auch während der Schwangerschaft funktioniert der Umfang meist bis in den achten Monat. Mir war wichtig, dass Frauen sich in dieser Zeit nicht in „Blümchenmuster“ hüllen müssen, sondern ihren anspruchsvollen Stil beibehalten können. Es ist ein nachhaltiges Investment für viele Lebensphasen.

Wie sieht die Zukunftsvision für MVDHAM aus?

MVDHAM: Wir erweitern die Design-Philosophie konsequent. In der Pipeline haben wir bereits Kinderjacken und Accessoires aus unseren Wolle-Seide-Steppstoffen. Die urbane Mobilität ist aktuell gesellschaftlich so relevant wie nie zuvor, und wir wollen zeigen, dass progressives Design und kompromisslose Natürlichkeit die Zukunft der Outdoor-Mode sind.

Auf der BLICKFANG Hamburg lässt sich MVDHAM auch persönlich erleben – mit der Möglichkeit, einen direkten Einblick in die Arbeitsweise, Materialien und Produkte des Labels zu bekommen.

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