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Von der Kunst, Neues zu beginnen

Was haben Paragrafen und Politur gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts und ehrlicherweise auch nicht auf den zweiten. Aber diese beiden Begriffe, bringen die Gegensätzlichkeit der Berufe von Joscha Finhold zum Ausdruck und symbolisieren, welchen Weg der junge Designer für seinen persönlichen Neuanfang gegangen ist. Wir erzählen dir die ganze Geschichte des spannenden Newcomer-Labels HOLDHOLD.

Der Stuhl ‚P 04‘ aus der ersten Kollektion des Labels HOLDHOLD. Zeitgemäßes Design trifft auf traditionelles Handwerk.

HOLDHOLD verbindet zeitgemäßes Design mit traditionellem Handwerk, denn jedes Möbelstück wird in präziser Handarbeit und höchster Qualität gefertigt. Das Eichenholz überzeugt den Designer aufgrund seiner einzigartigen Struktur, Farbe und Haptik und wird dadurch zu einem wesentlichen Element der Kollektion. Bei der Auswahl seiner Hölzer achtet er daher auf eine ansprechende Oberfläche, die gleichzeitig den natürlichen und auch einzigartigen Charme der Eiche widerspiegelt. So ist jedes Möbelstück auf seine Art und Weise verschieden und damit ein echtes Unikat. Mit dieser Philosophie möchte er einen Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität und Kurzlebigkeit in der heutigen Gesellschaft bilden. Sein Label und seine Kollektion sollen den Menschen wieder den Wert von handgefertigten und hochwertigen Möbeln aufzeigen.

Seine Leidenschaft zum Interior-Design und das Interesse am Handwerk sieht man den Produkten des Designers an. Doch er kam erst über glückliche Umwege zu seinem eigenen Label und hat mit viel Mut und Hingabe einen Neuanfang gewagt. 

Nach der Schule zog es ihn zunächst raus in die weite Welt. Mit viel Erfahrung im Gepäck und zurück in Deutschland, studierte er jahrelang Jura und bestand 2019 sein Staatsexamen. Doch die Paragrafen, Prozesse und Klagen fesselten sein Interesse nicht so sehr wie die Skizzen der eigenen Möbelserie und die Fragen nach Maserung, Politur und Jahresringen. Die erste eigene Kollektion kreierte er für seine Freundin Janelle, die für ihre Bachelorarbeit im Rahmen ihres Grafikdesign-Studiums das Branding für eine fiktive Möbelfirma konzipieren und gestalten wollte. Was ihr jedoch fehlten waren die Möbel und diese lieferte Joscha zunächst nur auf Papier.

Das Talent fürs Zeichnen und handwerkliches Geschick liegen in der Familie, sein Vater ist als freischaffender Künstler tätig. So fiel es ihm nicht schwer, sich an die ersten Entwürfe zu setzen und er entwarf eine Möbelserie, die heute nicht mehr Fiktion, sondern Realität ist. Mit dem Entwurf der Möbel war der Stein erst ins Rollen gekommen. Joscha gab seinem inneren Drang nach und entschloss sich, die Rechtswissenschaften links liegen zu lassen und eine Tischlerlehre zu beginnen, um seine Möbel selbst herstellen zu können. Mit handwerklichem Know-how und den entsprechenden Fähigkeiten verwandelten sich die Skizzen in echte Objekte der Alltagskultur. Die Serie ‚P‘ von HOLDHOLD begeistert mit puristischer Schlichtheit. 

Es sind genau diese Geschichten, von denen die unabhängige Designszene lebt. Sie beweisen, dass Kreativität, aber auch Wille und Mut dazugehören, um einzigartiges Design zu erschaffen und den Menschen zugänglich zu machen. Sie lassen unsere Räume bunter und vielfältiger erscheinen und sorgen dafür, dass Interior-Design individueller und authentischer ist.

Wir haben mit Joscha Finhold über seinen Neuanfang gesprochen und ihn gefragt, was der Frühling für ihn bedeutet.

Designer Joscha Finhold mit Freundin Janelle Burkhard
Der Couchtisch ‚P 05‘ hat unterschiedliche Höhen
Stuhl ‚P 04‘ ist ein zeitloser Hingucker
Der futuristische Loungesessel ‚P 06‘ bietet Platz zum Entspannen

Erzähle uns von deinem „Neuanfang“. Wie kam es, dass du dich nach dem Staatsexamen in Jura dazu entschieden hast, eine Tischlerlehre zu beginnen?  

Das Studium lief gut und deshalb hat es mir anfangs auch Freude bereitet, doch je länger ich dabei geblieben bin, desto staubtrockener wurden die Gesetzbücher. Ich wusste also schon eine Zeit lang, dass ich eigentlich nicht glücklich damit werden konnte, habe mich aber nie getraut auszubrechen. Meine Freundin hatte während ihres Grafikdesign Studiums die Idee als Bachelorprojekt das Branding für eine fiktive Möbelfirma zu konzipieren und zu gestalten.
Da sie wusste, dass ich gerne zeichne und schon immer an Interior-Design interessiert war, bat sie mich einige Möbel zu entwerfen.

Die Gesetzbücher wurden also mehr und mehr von Skizzen verdrängt und nach einigen Entwürfen seltsam anmutender Konstrukte habe ich so langsam meinen Stil gefunden. So entstand die erste Kollektion, die „P Kollektion“, welche übrigens nach meinem Hund Peppa benannt ist.

Die ersten Modelle habe ich noch mit der Laubsäge an meinem Schreibtisch gebastelt, doch schnell merkten sowohl meine Nachbarn unter mir, als auch ich, dass das so nicht weitergehen konnte. So habe ich eine Tischlerei aufgesucht und dort eine Praktikum begonnen. Mir hat das Handwerk so viel Freude bereitet und auch der Drang danach meine Entwürfe selbst zu bauen, haben mich dazu gebracht eine Tischlerlehre zu absolvieren. Aus der einst fiktiven Möbelmarke für ein Bachelorprojekt ist somit am Ende meine echte Möbelmarke entstanden und mein Neuanfang war geboren. 

Wie haben Freunde & Familie auf deine Entscheidung reagiert?

Meine Freunde und auch meine Familie haben gemerkt wie viel Freude mir dieser Neuanfang bereitet und haben mich von Anfang an unterstützt. Ich denke insbesondere mein Papa konnte die Entscheidung, einen Neuanfang in einen Bereich zu wagen der einen erfüllt, sehr gut nachvollziehen. 

Er ist gelernter Koch, hat jedoch schon recht früh gemerkt, dass er dort nicht so kreativ sein konnte wie er gern wollte. Deshalb hat er schon lange bevor ich geboren wurde angefangen sich seiner Kunst zu widmen und war als freischaffender Künstler tätig.

Würdest du so einen „Neuanfang“ wieder wagen? 

Jederzeit. 

Wie hast du dich gefühlt, als dein erstes Produkt fertiggestellt war? 

Als ich mein erstes Stück, es war der Hocker P 01, fertig gebaut hatte, war ich glücklich und stolz und war überzeugt davon, das Richtige zu tun. 

Welche Rolle spielt eine Designmesse wie die BLICKFANG für dich als Jung-Designer? 

Eine Designmesse wie die BLICKFANG bedeutet für mich eine Chance, mich mit anderen Designer:innen auszutauschen. Mit Menschen in Kontakt zu treten und ehrliches Feedback zu bekommen. Zu sehen wie Menschen auf meine Möbel reagieren und ich bin froh, dass durch die BLICKFANG jungen Designer:innen eine Plattform gegeben wird, ihre Produkte und Ideen mit Anderen zu teilen. 

Was würdest du anderen Menschen raten, die Ideen und Träume haben aber Angst vor einem „Neuanfang“ verspüren?

Ich habe gemerkt, dass ich sehr lange an wenig anderes denken konnte als den Neustart mit meiner eigenen Möbelmarke. Tausend Ideen sind Nachts durch meinen Kopf gerauscht und der Drang es zu wagen wurde immer größer. Jetzt bin ich froh, dass ich meine Angst überwunden hab und würde jedem raten, der auch von dem Gedanken, diesen Neuanfang zu wagen nicht mehr loskommt, sich einfach zu trauen. 

Was bedeutet der Frühling für dich?

Frühling bedeutet für mich, endlich keine langen Unterhosen mehr 🙂

Eichenholz hat eine besonders schöne Optik
Die Einzelteile liegen für den Zusammenbau bereit
Designer Joscha Finhold in der Werkstatt

Für seine aktuelle Kollektion, die auf der BLICKFANG Designmesse in Berlin zu sehen und kaufen sein wird, hat er den Future Forward Preis gewonnen. Mit diesem Preis fördern wir junge, aufstrebende Designer:innen, denen wir dabei helfen möchten, ihre Produkte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie in allen Fragen rund um ihr Design-Label zu unterstützen. Damit gewinnt Joscha Finhold ein persönliches Intensivcoaching mit unseren Kuratoren des Jahres, dem Stardesigner-Duo jehs+laub aus Stuttgart. Mit ihrer fachlichen Expertise stehen sie dem Nachwuchs-Talent mit Rat zur Seite. 

Komm zur BLICKFANG Berlin und lerne Joscha Finhold und seine Möbel persönlich kennen.

05. – 07. Mai BLICKFANG Designmesse Berlin

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